justamyth: (books & tea)
Nachdem ich gerade in einem Blog gestöbert hatte, das sich passenderweise "Requires only that you hate" schimpft, ist mir aufgefallen, dass ich beim Lesen von Büchern auf so Dinge wie Rassismus, Homophobie oder Sexismus so gut wie gar nicht achte. Ich frage mich hinterher vielmehr ob die Geschichte spannend war, ob die Geschichte logisch war, ob ich die Motive der Charaktere nachvollziehen kann, etc.

Der Grund ist einfach: Ich tendiere nicht dazu über ein Buch lange nachzudenken, geschweige denn kritisch, sondern mir geht es in erster Linie um den Unterhaltungswert. Weswegen ich vielleicht auch etwas unbeabsichtigt darüber hinweg sehe, wenn ein Buch solch eine Problematik aufweist. Dazu kommt vielleicht auch, dass sich meine Erfahrungen mit Rassismus, Homophobie und Sexismus in Grenzen hält, d.h. dass ich persönlich noch nie darunter habe leiden müssen, weswegen ich eben wohl auch etwas unaufmerksam diesbezüglich bin.

Darum fiel mir eigentlich bisher auch nie auf, dass Dany (aus der ASOIAF-Reihe) irgendwie schon die weiße Retterin der unterdrückten Farbigen ist. Aus der Perspektive hatte ich das noch nie betrachtet, weil Dany in erster Linie eben Dany für mich ist, und nicht eine weiße, "arische" Frau. An das Aussehen von Charakteren denke ich meistens auch gar nicht, weil ich mir die Beschreibungen sowieso nie wirklich merke.

Etwas weniger verzeihlich ist, dass ich völlig ignoriert habe, wie problematisch es ist, dass Glokta (aus der First Law Reihe) am Ende Terez zum Geschlechtsverkehr mit ihrem Mann, dem König, zwingt indem er ihre Liebhaberin bedroht. Ich gebe zu, zunächst dachte ich mir halt, was soll er denn sonst machen, wenn sie dem König seine Erben verweigert? Aber zurecht wurde hier eben kritisiert, dass Terez als typische Männerhassende Lesbe dargestellt wird, und dass es völlig unrealistisch sei, dass sie sich nicht klüger anstellt, zumal davon auszugehen wäre, dass man sie von klein an auf ihre Rolle vorbereitet hat.

Insgesamt hat mich der Blog schon ins Grübeln gebracht, allerdings machte dessen Autor/in schon den Anschein, als hätte er/sie nichts besseres zu tun, als sich negativ über Bücher und Autoren auszulassen. Wohlgemerkt, dieser Eindruck ist bedingt dadurch, dass ich dort eben kaum was anderes gesehen habe. Ich habe mir auch nicht jede Seite angeschaut, aber die ersten drei reichten mir schon um zu dem Schluss zu kommen, dass der Verfasser des Blogs die meisten jüngeren Fantasybücher überhaupt nicht mag, und erst recht nicht deren Fans. (Außer natürlich Valente, von der ich ja auch endlich mal ein Buch lesen will. Ich will dafür nur keine 8-9€ ausgeben, schon gar nicht für ein gebrauchtes Buch.)
justamyth: (books1)


Broschiert, 384 Seiten
2009, Bloomsbury Verlag
Gelesen: 24.12. - 30.12.2011


Zuerst sollte ich vielleicht klar stellen, dass ich vom modernen Afghanistan nur wenig weiß. Allein deswegen war das Buch schon für mich interessant, weil hier zwar das Schicksal der beiden weiblichen Protagonistinnen im Vordergrund steht, darüber hinaus man aber auch einen Einblick in die Geschichte Afghanistans zwischen 1973 und 2003 bekommt.
Die Handlung wird aus zwei Perspektiven erzählt. Zunächst lernen wir Mariam kennen, die unehelische Tochter eines reichen Mannes, die in einer kleinen Hütte nahe Herats aufwächst. Ihre Kindheit verläuft relativ glücklich, wenn man einmal davon absieht, dass ihre Mutter verbittert und etwas verrückt ist, und ihr Vater sie zwar regelmäßig besucht, aber sie nicht bei sich leben lässt, weil seine Familie ihn dazu zwingt. Als Mariams Mutter Selbstmord begeht ist es eben wegen dieser Ohnmacht des Vaters, dass sie mit 15 Jahren in einer Zwangsehe mit Raschid endet, der nicht nur wesentlich älter ist, sondern wie sich bald herausstellt auch jähzornig und gewaltätig.
Danach lernen wir Laila kennen, die bei ihren Eltern in Kabul aufwächst und eigentlich zwei Brüder hat, die aber im Dschihad gegen die Soviets kämpfen, worunter besonders Lailas Mutter leidet, die sich meistens in ihrem Zimmer verschanzt und Laila kaum Aufmerksamkeit schenkt, so dass Laila vorallem zu ihrem Vater eine enge Beziehung pflegt. Schließlich ziehen die Soviets ab, doch anstatt Frieden herrscht bald Bürgerkrieg in Kabul, vor dem viele Menschen fliehen und bei dem auch viele sterben. So auch Lailas Eltern als eine Bombe ihr Haus trifft. Es ist ausgerechnet Raschid, der sie aus den Trümmern zieht und bei sich aufnimmt. Nicht ganz ohne Hintergedanken wie sich bald herausstellt, denn er will Laila als zweite Ehefrau.
Zu diesem Zeitpunkt sind Raschid und Mariam bereits 18 Jahre verheiratet, allerdings ohne Kinder. Als Laila davon erfährt, dass ihr geliebter Tarik tot sein soll, willigt sie in die Heirat ein, denn sie ist von Tarik schwanger. Raschid ist ihr gegenüber bis zur Geburt der kleinen Aziza wohlwollend gestimmt und behandelt sie wie eine Prinzessin. Doch schon bald leidet sie unter dem gleichen Missbrauch wie auch schon Mariam und zwischen den beiden entwickelt sich eine wundervolle Freundschaft.

Es ist schockierend wie ausgeliefert die beiden Frauen ihrem Mann sind, denn was im Heim einer Familie vor sich geht, interessiert die Behörden nicht. Zudem haben weder Mariam noch Laila eine Familie an die sich wenden könnten. Dieser Zustand wird durch das Erscheinen der Taliban nur noch verschlimmert, die die Frauen in ihren Rechten nur noch mehr einschränken. Denn die Taliban erlassen Gesetzte wonach Frauen nicht mehr arbeiten dürfen, wonach sie niemals ohne Begleitung eines Mannes überhaupt das Haus verlassen dürfen, wonach Kinder nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Frauen werden damit völlig abhängig von ihren männlichen Verwandten gemacht. Wie absurd das Ganze ist, zeigt sich als Raschid seinen Arbeitsplatz verliert und eine Zeit lang keine Arbeit findet oder aufgrund seines miesen Verhaltens bald wieder gefeuert wird: Die Familie steht kurz vorm Verhungern, weil weder Laila noch Mariam arbeiten gehen dürfen. Sie müssen schließlich Aziza in ein Waisenhaus geben, damit diese nicht verhungert.

Der Kampf für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz in der westlichen Welt wirkt im Vergleich dazu, naja, irgendwie banal. Klar ist es scheiße wenn Männer bevorzugt behandelt werden obwohl eine Frau die gleiche Leistung erbringen könnte, aber immerhin werden wir nicht zwangsverheiratet, können unseren Ehemann anzeigen wenn er sich an uns vergreift, dürfen arbeiten gehen wo und wann wir wollen, müssen nicht unsere Gesichter verstecken, werden nicht verprügelt wenn wir ohne männliche Begleitung unterwegs sind, dürfen uns schminken, dürfen anreizende Kleidung tragen, dürfen in der Öffentlichkeit lachen, dürfen zur Schule, etc. Kurz, ich bin froh niemals das Schicksal von Frauen wie Mariam und Laila teilen zu müssen.

Die Heldin dieses Buches ist für mich übrigens Mariam, da diese sich opfert, damit Laila am Ende doch noch ein vielleicht glückliches Leben leben kann. Wobei mich Laila auch beeindruckte als sie immer wieder versuchte ihre Tochter im Waisenhaus zu besuchen, obwohl sie regelmäßig Prügel bezog, wenn Raschid sich weigerte sie zu begleiten.

Etwas unglücklich bin ich mit dem Ende, das doch etwas künstlich wirkt. Einige Rezensionen weißen zurecht darauf hin, dass ausgerechnet die jüngere, *hübschere*, gebildete und fruchtbare Laila doch noch ihr Glück findet, während Mariam, ihr genaues Gegenteil, im Gefängnis landet und hingerichtet wird. Nicht nur das, sondern sie findet es ausgerechnet mit Tarik, von dem wir erfahren, dass man Laila belogen hatte und er gar nicht gestorben ist, sondern mehrere Jahre in einem Gefängnis verbrachte.

Eine andere Sache, die mich sehr gestört hat war die Verwendung afghanischer Wörter mit anschließender Übersetzung, so dass da im Prinzip zweimal das gleiche Wort stand. Ich finde man hätte das entweder ganz weglassen sollen oder die Übersetzung in einer Fußnote schreiben sollen. Wobei letzteres mich wahrscheinlich nur wieder an schlechte Fanfiction erinnert hätte, in denen die Autoren gerne die paar wenigen ihnen bekannten japanischen Wörter einbauten.


Bewertung: 3.5/5

Goodreads: 4.28
Amazon: 4.8
justamyth: (Default)
Ich habe zu Weihnachten erstmals so richtig an Büchern abgestaubt (nicht, dass ich noch nie ein Buch geschenkt bekommen hätte, nur war es in der Regel dann eben ein einziges Buch), die da wären:




Dann kam heute noch von Amazon ein großes Paket, das ich mir bestellt hatte. Dabei handelt es sich um ein wirkliches Schnäppchen, denn ich habe für alle fünf Bücher gerade mal 13,03€ bezahlt. Sie sind zwar gebraucht, aber noch in richtig gutem Zustand.



Ich habe mir mal den Spaß gemacht und ausgerechnet wieviele Seiten die Bücher insgesamt haben. Und zwar haben sie zusammen 9178 Seiten. Da es sich bei den Erikson Büchern um richtig fette Bücher handelt, dürfte es niemanden überraschen, dass diese fünf allein 6043 Seiten ausmachen. Soviel zu meinen Vorsatz mehr Bücher zu lesen, die unter 500 Seiten haben, lol.
justamyth: (books & tea)


Paperback, 1040 Seiten
2007, Tor
Gelesen: 06.12. - 14.12.2011

Also erst einmal muss ich festhalten, dass ich mit dem Buch die 10.000 Seiten dieses Jahr doch noch geknackt habe. Juhu! Zweitens ist mir aufgefallen, dass die letzten sieben Bücher irgendwie alle so durchschnittlich (und in einem Fall schlecht) waren. Jedenfalls hatte ich bei keinen der sieben den Wunsch, das Buch möge noch nicht aufhören. So ging es mir aber bei House of Chains, wo ich noch locker ein paar hundert Seiten hätte weiter lesen können, und dabei ist das schon über 1000 Seiten fett. (Gut, im Prinzip kann man das ja auch, wenn man die Fortsetzungen liest.) Und eben genau das ist es eben, was ein richtig gutes Buch aus macht. Sicher, wenn ich intensiv darüber nachdenken würde, würden mir bestimmt so einige Makel auffallen, aber fakt ist, es hat insgesamt riesigen Spaß gemacht das Buch zu lesen. Genau das will ich auch von einem Buch.

House of Chains ist der vierte Band in der Malazan-Reihe, aber im Prinzip keine direkte Fortsetzung des vorherigen Buches. Der erste Teil des Buches lässt chronologisch etwa 3 Jahre vor das Ende von Deadhouse Gates setzen, und damit auch ein paar Wochen oder Monate vor Gardens of the Moon. Dieser Teil erzählt die Geschichte von Karsa Orlong, der noch eine wichtige Rolle in den restlichen Bänden spielen wird, wie ich vermute. Wir begleiten hier Karsa auf seiner Reise vom Norden Genabackis bis nach Seven Cities, und ich muss schon sagen, dass ich sehr begeistert davon war wie gewisse Ereignisse hier ein paar Dinge aus Deadhouse Gates erklären. Es hat auch etwas gedauert bis ich geschnallt habe, dass wir Karsa Orlong bereits begegnet sind! Nachdem Karsas Vorgeschichte abgeschlossen ist, geht es sozusagen im Programm weiter, und die Ereignisse von Deadhouse Gates werden fortgesetzt. Heißt das, man könnte Memories of Ice überspringen? Nicht wirklich, denn hier und da werden durchaus Referenzen zu den Geschehnissen in MoI gemacht, die einem vorallem dessen Ende nur verderben würden.

Am besten an diesem Band hat mir die mythologische Erweiterung der Welt gefallen, die immer noch viel Rätsel aufgibt. Hier wird (glaube ich) zum ersten Mal explizit erwähnt, dass die Menschen von den T'lan Imass abstammen sollen, und zwar ausgerechnet von Kilava, der Schwester von Onos T'oolan, die sich ja dem Ritual verweigert hat. Auch wurde hier extrem angedeutet, dass Icariums Mutter wohl eine Thelomen Toblakai war, da gesagt wurde, dass Jhag eine Kreuzung zwischen Jaghut und Toblakai sind. Des Weiteren wurden vier neue Rassen vorgestellt. So begegen wir diesmal lebenden Tiste Edur, aber auch den Tiste Liosan, einer Fokrul Assail und den Eres.
Die Edur und Liosan sehen im Prinzip wie die Andii aus, nur eben mit grauer bzw. weißer Haut, womit alle drei ihre Warren repräsentieren: Dunkelheit, Licht und Schatten. Die Beziehungen dieser Warren untereinander ist auch ein Thema in dem Buch, wobei deren Bedeutung noch vage bleibt. Die Existenz der Fokrul Assail wurde in einem vorherigen Buch bereits angedeutet, wobei dort eher der Anschein erweckt worden ist, dass diese Rasse ausgestorben sei. Das dies nicht der Fall ist, war wenig überraschend, dachte bzw. denkt man ja Ähnliches von den Jaghut.
Das Auftauchen der Eres stimmt mich nachdenklich, und ich frage mich ob dieser eine Parallele zum Homo Erectus sein soll, was allerdings wenig Sinn macht, denn die T'lan Imass sollen ja die Vorfahren der Menschen sein, und somit müssten sie eigentlich eine Parallele zum Homo Erectus sein. Hm, es bleibt abzuwarten ob wir noch mehr darüber erfahren.

Ich muss sagen, insgesamt fand ich das Buch besser als Memories of Ice, obwohl die Handlung hier weniger beeindruckend war. Aber kann man echt erwarten, dass jedes Buch epischer wird als das vorherige? Nein, ich denke das ist unrealistisch, und ich will das eigentlich auch gar nicht, weil es dann irgendwann zu absurd wird. Ich fand das Ende auch nicht wirklich antiklimaktisch, weil ich die 10 Bände als EINE Geschichte ansehe, und auch nicht bezweifle, dass das Ende noch folgenreiche Konsequenzen haben wird sobald Tavore klar wird, was sie da getan hat. Apropos Tavore, ich hätte mir irgendwie gerne mehr Einblick in ihre Gedanken gewünscht, vorallem wie sie auf die verrückte Idee gekommen ist, es wäre okay ihre kleine Schwester in die Gefangenschaft zu schicken. Oder vielmehr wie sie glauben konnte, dass das gut gehen konnte? Einerseits ist das Ganze ja unglaublich tragisch, andererseits hat sie es aber auch verdient.

Was ich zum Schluss noch sagen muss: Ich würde mir wünschen, dass die sexuelle Gewalt zum Zweck der Charakterentwicklung gerade bei den Frauen vermindert wird. Wir hatten hier nämlich schon wieder zwei weibliche Charaktere, die dieser zum Opfer gefallen sind. Wenn ich richtig zähle, sind wir damit bei fünf Frauen (Felisin, Stonny, Minala, Felisin Younger, Scillara) denen derartige Gewalt angetan worden ist, und die sich daraufhin entsprechend entwickelt haben. Naja, ich weiß nicht ob das sein muss.

Bewertung: 5/5

Goodreads: 4.27
Amazon: 4.2
justamyth: (library)


Ebook, 660 pages
2008, Doubleday
Gelesen: 26.11. - 08.12.2011

Salem's Lot war mein erstes Buch von King, sofern man die strak gekürzte Fassung von Misery ignoriert, die ich mal im Englischunterricht lesen musste. Es ist eines seiner früheren Werke, erstmals 1975 publiziert, und handelt von der kleinen Stadt Jerusalem's Lot im amerikanischen Neu England, die im Jahr 1975 von einem Vampir besucht wird, der in kürzesteter Zeit fast die komplette Stadt ausrottet.

Als Vampirroman ist das Buch klasse, als Roman im Allgemeinen Sinne fand ich das Buch allerdings etwas mittelmäßig. Die Vampire sind genau das, was ich mir von diesen Wesen erhoffe: blutrünstig, grausam und böse. Man hat Angst vor ihnen, und das zurecht. Wenn da nur nicht das Erzähltempo und die unützigen Zusatzinformationen gewesen wären... Ich glaube wirklich nicht, dass es notwendig war, dass man irgendwelche Kleinigkeiten über drittrangige Nebencharaktere erfährt, die sowieso am Ende ins Gras beißen. Hinzu kam noch, das im ersten Drittel des Buches erst einmal gar nichts passierte, da der Vampir erst später eintrifft. Das Buch ist bis dahin nicht unbedingt langweilig, aber man erwartet einfach mehr. Allerdings wird auch etwas Spannung durch den Anfang genommen, da der Prolog bereits nach den Ereignissen in Salem's Lot spielt, weiß man spätestens ab der Mitte des Buches, wer überlebt und wer nicht. Keine Angst, es gab dennoch genug spannende Szenen.

Was mir allerdings noch störend aufgefallen ist, war der Dialog. Mitunter kam dieser mir sehr unnatürlich vor.

Bewertung: 3.5/5

Goodreads: 3.78
Amazon: 4.5
justamyth: (books1)


Paperback, 331 Seiten
1987, Ace/Berkley Publishing
Gelesen: 22.11. - 04.12.2011

Ich habe viel zu lange für dieses Buch gebraucht. Aber irgendwie hatte ich die letzten paar Tage einfach keine Lust zum Lesen. Sonst wäre ich nämlich schon längst fertig geworden, da sich Band 2 der Dune Reihe wesentlich schneller lesen lässt, und es ist auch um einiges kürzer.

Nun, da ich Dune Messiah gelesen habe stellen sich mir zwei Fragen: Was war der Sinn des Buches oder bin ich vielleicht einfach zu blöd für das Buch?

Aber erst einmal zum Inhalt. Dune endet (quasi) mit Paul als Kaiser. Zwölf Jahre später ist er es immer noch, nur nicht unbedingt beliebt, denn im Zuge seiner Machtergreifung wurde auch ein Jihad losgetreten, der Krieg und Chaos im Universum verbreitet. Das Buch beginnt damit, dass sich Vertreter der Bene Gesserit, Bene Tleilaxu und der Raumfahrergilde treffen und einen Plan gegen Paul aushecken, um ihn zu stürzen oder zumindest unter ihre Kontrolle zu bringen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber der Plan lief wohl darauf hinaus, dass man Chani umbringt, sie aber als Ghola zurückbringt und dann entsprechende Gegenleistungen fordert, mit denen man Paul nicht nur entmachten würde, sondern auch erpressen könnte. Ich glaube nicht, dass ich zuviel verrate, wenn ich sage, dass der Plan nach hinten los geht, denn jeder weiß, dass Paul in die Zukunft sehen und die Ereignisse entsprechend lenken kann. Daher eben die Frage nach dem Sinn des Buches.

Ich schätze, man könnte sagen, dass es Herbert darum ging die Grenzen der Vorhersehung der beiden Atreides-Geschwister zu erkunden. Andererseits ging es vielleicht auch um Identität in Bezug auf Hayt/Duncan Idaho. Oder aber, es ging Herbert einfach darum Paul einigermaßen glaubwürdig aus der Geschichte zu nehmen. Ich sage einigermaßen, weil einerseits im Buch erwähnt wird, dass es schon immer Pauls Ziel war den Jihad zu verhindern, er es aber nie tut, vielleicht weil es einfach unmöglich sein soll, aber am Ende wandert er trotzdem lieber in die Wüste aus, wodurch man ihn nur noch mehr verehren wird. Gut, wenn er es nicht getan hätte, hätten die Fremen ihn am Ende vielleicht selbst gestürzt. Aber hätte das nicht den Jihad beendet? Schließlich hätte doch ein Sturz gerade durch die Fremen ihm seiner Heiligkeit beraubt.

Wie schon bei Dune, hatte ich hier den Eindruck, dass das Buch so cool hätte sein können, wenn es sich nur mit anderen Dingen beschäftigt hätte. Na ja, und wenn Herbert vielleicht ein besserer Schriftsteller wäre. Vielleicht kam es mir nur so vor, aber ich fand Dune Messiah war zumindest besser geschrieben als Dune. Herbert ist hier wesentlich weniger oft zwischen den Charakteren hin und her gesprungen.

3/5

Goodreads: 3.72
Amazon: 4.0
justamyth: (books2)


Ebook, 432 Seiten
2011, Little, Brown Books
Gelesen: 15.11. - 25.11.2011

Dieses Buch ist der perfekte Beweis dafür, dass man Reviews einfach nicht trauen kann. Das Buch hat auf Goodreads eine Bewertung von ca. 4.3 (von 5) und selbst andere Bücherblogs geben es hauptsächlich 4/5 oder sogar 5/5. Mehrmals habe ich gelesen, dass es eins der besten Young Adult Bücher sei, die es überhaupt gäbe, weswegen ich es ja überhaupt erst gelesen habe, obwohl ich eigentlich nicht viel für YA übrig habe. Und nun frage ich mich: Was zur Hölle lesen die alle für Bücher? Denn wenn DAS das Beste ist, was YA zu bieten hat, na dann gute Nacht.

Der Anfang war ja noch ganz viel versprechend. Karou, unsere natürlich bildhübsche und begabte Protagonistin, hat erst vor Kurzem mit ihrem bildhübschen, aber total narzisstischen und arroganten Freund Schluss gemacht, weil sie gemerkt hat, was für ein Arschloch er ist. Wir haben mal hier keine jungfräuliche Heldin, die noch nie einen Freund hatte, obwohl sie so toll aussieht. Dann erfahren wir auch noch, dass sie ein Geheimnis hat: Sie wurde von Chimären großgezogen. Ihr Adoptivvater ist Brimstone, für den sie nebenbei arbeitet, indem sie Tier- und Menschenzähne aus aller Welt für ihn besorgt. Denn verkauft man an Brimstone Zähne, erhält man als Gegenleistung Wünsche. Eins muss man dem Buch lassen, das Magiesystem ist originell und interessant. Und während man hier noch denkt, dass die Geschichte potential hat, ändert sich das spätestens als Akiva auftaucht. Akiva ist auf die Erde gekommen um Brimstones Portale zu zerstören (Den Grund dafür erfährt man allerdings erst gegen Ende) und er hat Karou dabei beobachtet, wie sie in Marokko aus einem dieser Portale kommt. Erst mal ist er irrtiert, weil sie ja ein Mensch ist. Neugierig verfolgt er sie, bis es dann letztlich doch zum Kampf kommt, den Karou geradeso noch überlebt. Ohne groß in Details zu gehen: Sie macht etwas Verbotenes und Brimstone schmeißt sie daraufhin aus seinem Geschäft, so dass sie nicht wieder zurückkehren kann. Kurz darauf werden auch noch alle Portale zerstört.
Und dann beginnt die supertolle Liebesgeschichte zwischen Karou und Akiva nach altbekannter Masche: Man sieht sich, fühlt sich zueinander hingezogen und einige Tage später gesteht man sich die Liebe.
Die Autorin versucht da noch eine unerwartete Wendung einzubauen, indem dann rauskommt, dass Karou in gewisser Weise die Wiedergeburt von Madrigal ist, der großen Liebe von Akiva, und dass sie sich deswegen sofort zueinander hingezogen fühlen. Nur leider verlieben sich Madrigal und Akiva genauso urplötzlich, so dass es eh keinen Unterschied macht. Am Ende kommt dann noch raus, dass Akiva anscheinend für den Tod der Chimären verantwortlich ist, und Karou begibt sich ohne ihn in deren Welt. So endet das erste Buch. Allerdings muss ich kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die beiden am Ende dann eh wieder zusammenkommen.

Müsste ich das Buch in einem Satz beschreiben, dann würde ich es als eine Liebesgeschichte á la Romeo und Julia beschreiben. Nur ist Romeo hier eben ein Engel und Julia eine Chimäre. Wobei Engel stimmt nicht so ganz. Akiva ist genauso wenig ein Engel, wie Edward Cullen ein Vampir ist. Akiva hat halt Flügel und seine Rasse bezeichnet sich als Seraphim. Da hören dann die Gemeinsamkeiten mit Engeln aber auch schon auf.

Wenn ich mir so ein paar Reviews ansehe, dann werden vorallem zwei Dinge gelobt: Der Schreibstil der Autorin und die Welt, die sie kreiert hat.

Nun, Laini Taylor mag es schwulstig. Andere finden das toll und loben es entsprechend. Ich denke in Maßen würde es mir sicher auch mehr gefallen, aber nicht wenn eh schon kaum etwas passiert und das Ganze damit nur noch mehr in die Länge gezogen wird mit langen Passagen voller Metaphern, Vergleiche und ähnlichem. Und dass nach gut einem 3/4 der Geschichte plötzlich eine Rückblende beginnt, in der die Geschichte von Madrigal erzählt wird, fand ich auch etwas ungeschickt.
Naja, und die Welt, die sie kreiert hat, ist auf den zweiten Blick auch nicht wirklich originell, und auch gar nicht so stark präsent wie man es von den Reviews meinen könnte.
Neben unserer Welt gibt es eben hier noch eine andere Welt mit zwei Monden, wo Chimären und Seraphim leben. Diese bekriegen sich seit mind. 1000 Jahren. Der offizielle Grund dafür ist, dass die Seraphim die Chimären versklavt hatten bis diese sich in Rebellion erhoben. An einer Stelle wird allerdings angedeutet, dass da mehr dahinter stecken könnte. Jedenfalls hassen sich dementsprechend beide Seiten, und obwohl keiner am gewinnen ist, scheint niemand hier auch nur an Diplomatie zu denken. Aber dann hätte ja unsere Heldin in den folgenden Bänden auch nichts zu tun, nicht wahr?
Das diese Welt nicht besonders durchdacht worden ist, zeigt sich eben auch daran, dass man nicht wirklich soviel darüber erfährt: Es gibt eine große schöne Stadt, die von den Seraphim erbaut worden ist. Die Seraphim werden von einem Kaiser beherrscht, der nur Kaiser zu sein scheint, weil er sich mal vor einiger Zeit militärisch hervor getan hat. Die Soldaten der Seraphim werden alle von diesem Kaiser in seinem Harem gezeugt. Und es wird vage eine Gruppe Seraphim erwähnt, die nicht unter der Herrschaft des Kaisers stehen und Magie praktizieren können. Das war's zu den Seraphim.
Die Chimären leben in einer riesigen Burg und bestehen aus mehreren Stämmen. Sie werden von einem Kriegsherr regiert, von dem man so gut wie gar nichts erfährt. Außer dass er mehrere Frauen hat. Für die Geschichte ist dessen Erstgeborener natürlich wichtiger, da er sich Madrigal als nächste Ehefrau ausgesucht hatte. Aber auch über ihn erfährt man nicht wirklich viel, außer dass er Madrigal unbehagen bereitet und dass er ein genialer General sein soll.
Und das war es mehr oder weniger zu den Chimären.
Man sieht, es ist doch alles recht oberflächlich. Allein beim Magiesystem geht die Autorin wirklich ins Detail. Gut, es gibt sowieso eine Fortsetzung, so dass da vielleicht die Welt weiter ausgebaut ist. Aber das, was hier dargestellt ist, finde ich eben nicht gerade beeindruckend. Die Idee, dass Sklaven sich gegen ihre Herren auflehnen ist nicht neu. Und von der Kultur der beiden Völker erfährt man ja fast nichts.

Was mich eben an dem Buch am meisten störte, ist die Liebesgeschichte, die dann doch leider 3/4 des Buches in Beschlag nimmt. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Romanzen, außer sie werden eben wie diese hier geschrieben. Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick. Jeder Mensch hat seine Macken und um diese kennen und lieben zu lernen braucht es mehr als ein paar lächerliche Tage. Außerdem ensteht die "Liebe" zwischen Madrigal/Karou und Akiva aus Äußerlichkeiten. Die Autorin beschreibt deren Aussehen mit einer geradezu übertriebenen Ausführlichkeit. Dementsprechend war die Beziehung zwischen den beiden nicht nur unglaubwürdig, sondern hat mich auch herzlich wenig interessiert. Ich verspüre auch gar nicht die Lust noch mehr über die Beiden lesen zu wollen.

Bewertung: 2/5

Goodreads: 4.29
Amazon: 4.6
justamyth: (library)


Paperback, 528 Seiten
2005, Ace Books
Gelesen: 10.11. - 20.11.2011

Dune ist für Science-Fiction ungefähr das, was Lord of the Rings ist für Fantasy - mit dem Unterschied, das Ersteres für mich tatsächlich lesbar ist. (Sorry Tolkien, aber endlose Beschreibungen sind einfach nichts für mich.) Ich habe Dune nicht zum ersten Mal gelesen, aber da das letzte Mal gut 10 Jahre her sein dürfte und noch dazu auf Deutsch, dachte ich mir ein erneutes Lesen des Sci-Fi Klassikers sei mal angebracht. Ich würde Lügen, wenn ich noch wüsste, welchen Eindruck das Buch damals auf mich hinterlassen hat, aber allzu schlecht kann es nicht gewesen sein, denn daran würde ich mich erinnern. Ich meine mich auch vage daran zu erinnern, dass ich die Fortsetzung lesen wollte, aber sie in der Bibliothek ausgeliehen war und dann muss ich irgendwann das Interesse verloren haben. Das wird diesmal kein Problem sein, denn Dune Messiah und Children of Dune stehen lesebereit in meinem Bücherregal.

Ich muss zugeben, so richtig konnte mich das Buch nicht begeistern. Nicht weil es schlecht war, sondern weil sich der Autor auf Dinge konzentriert hat, die mich weniger interessiert haben. Das Buch ist in drei Teile gegliedert, und eben der mittlere Teil ist es, der sich wie Kaugummi gezogen hat, da dem Autor es wichtig war genau zu beschreiben wie Paul und Jessica in der Wüste überleben, obwohl diese nur etwa zwei Tage dort allein verbringen. Im Kontrast dazu steht der letzte Teil des Buches, der nur wenige wichtige Ereignisse aus etwa vier Jahren wiedergibt. Nur zu gern hätte ich mehr über den Kampf der Fremen gegen die Harkonnen gelesen, aber stattdessen konzentrierte sich der Autor eben auf philosophische und religiöse Grübeleien, die mich, wie gesagt, herzlich wenig interessierten.

Ebenso fand ich es schwer einen Zugang zu den Charakteren zu finden, besonders aber zu Paul, dessen Transformation vom Jugendlichen zum Messiahs ziemlich plötzlich passiert. Sicher, man bekommt erklärt, dass das Spice als Katalysator wirkt und im Prinzip nur zur "Erweckung" diente, aber ich fand diese Erklärung trotzdem nicht zufriedenstellend. Insgesamt fehlt es den Charakteren aber auch einfach an Tiefe, weil deren Motivation ziemlich generell gehalten sind. So wird die eine Seite hauptsächlich durch ihren Hass auf die "bösen" Harkonnen angetrieben, während die Harkonnen sich vom Hass auf die Atreides leiten lassen und als Grund wird eine uralte Fehde zwischen den beiden Familien genannt, bei der ein Atreides einen Harkonnen blamiert hatte.

Eine viel größere Schwäche dieses Buches ist jedoch der Schreibstil. Es ist unglaublich nervig wenn man die Gedanken eines Charakters liest, nur um dann im nächsten Satz die Gedanken eines anderen lesen zu müssen, denn ja, Herbert springt alle paar Sätze zwischen seinen Charakteren hin und her. Dadurch bekommt man zwar ein vollständiges Bild der Szene, aber es ist eben extrem unelegant und störend. Zudem sind die Dialoge recht altmodisch und kaum realistisch. Mir war auch nie klar, ob ich annehmen sollte, ob die Fremen gebrochenes "Englisch" sprechen oder nicht, da sie manchmal danach klangen, und manchmal eben nicht.

Ich finde eine Bewertung schwierig. Als ich das Buch zu Ende las, dachte ich mir, wie gerne ich mehr von dieser Welt bzw. diesem Universum lesen würde, denn wie gesagt, das Buch war nicht schlecht. Aber wenn man mal ernst darüber nachdenkt, dann sind die Charaktere recht stereotypisch und die Handlung ist nicht gerade kompliziert. Und die von Herbert entwickelte Welt hat eben auch nicht das Niveau anderer Bücherreihen.

Bewertung: 3.5/5

Goodreads: 3.94
Amazon: 4.5
justamyth: (Fire & Ice)
So, ich dachte mir mal ich sammle ein paar Vorraussagen, damit ich mich dann scheckig lachen oder heulen kann, wenn sie nicht eintreffen.

- Jon ist nicht tot. Und nicht untot.
- Jon bleibt nicht für immer Lord Commander.
- Die Wall wird fallen und die Others werden nach Süden wandern.
- Bran wird mit Jon mittels Ghost oder Träume kommunizieren können.
- Melisandre sieht in Wahrheit ganz anders aus.
- Jon wird die Wilden anführen oder sie werden sich zumindest ihm unterordnen.
- Robbs Testament besagt, dass Jon sein Erbe ist und es legitimisiert ihn.
- Jon wird die Führung des Nordes übernehmen, damit er eine Armee gegen die Others hat.
- Jon ist der Sohn von Rhaegar und Lyanna, die beide verheiratet waren und er wäre damit der legitime Erbe des Eisenthrons.
- Rickon bringt die Unterstützung von Skagos.
- Die Boltons finden bald ihr Ende, hoffentlich auf eine grausame Weise.
- Blackfish ist im Norden, eventuell sogar in Winterfell.
- Die Gruft von Winterfell verbirgt irgendein Geheimnis, das sich auf Jon bezieht.
- Theon und Asha schließen sich den Nordmännern an.
- Stannis stirbt innerhalb der nächsten beiden Bücher.
- Jon ist Azor Ahai.
- Brienne wird Jaime vor Lady Stoneheart retten.
- Aegon wird nicht wie geplant auf Dany warten, sondern sich verführen lassen.
- Dorne wird sich Aegon anschließen.
- Die Tyrells haben einen geheimen Plan.
- Dany wird den Eisenthron besteigen, aber nicht allein.
- Littlefingers Plan wird nicht erfolgreich sein.
- Cersei wird ihren Prozess gewinnen, und dann das Königreich weiter in die Krise stürzen.
- Taena ist eine Spionin.
- Es wird Krieg zwischen den Tyrells und den Lannistern ausbrechen.
- Tommen und Myrcella werden vor Cersei sterben.
- Sansa wird Harry heiraten.
- Arya und Nymeria werden sich wieder sehen.
- Aegon ist tatsächlich Aegon, wird aber von Varys manipuliert.
- Victarion wird sein Ziel nicht erreichen (Ich meine die Heirat mit Dany).
- Dany und Jon werden aufeinander treffen.


TBC
justamyth: (Fire & Ice)
Es ist irrational, weil viele es wahrscheinlich gar nicht ernst meinen, aber mich irritiert es irgendwie wenn Leute von der Idee besessen sind, dass Sansa später einmal den Norden beherrscht oder, noch absurder, ganz Westeros.

Zum einen finde ich diesen Gedanken schwachsinning aus kulturellen Gründen, zum anderen aus erzählerischen Gründen.

Westeros ist eine von Männern dominierte Gesellschaft, in der Frauen von hohem Stand den Zweck erfüllen, entweder eine Allianz zwischen zwei Familien zu knüpfen bzw. zu festigen, oder Kinder zur Welt zu bringen und so die Dynastie zu sichern. Natürlich sind Frauen hier nicht völlig ohne Macht, aber dennoch ist diese meist ausschließlich von der ihres Ehemannes, Vaters oder einem anderen männlichen Familienmitglied abhängig. Die Ehefrau kann ihren Ehemann manipulieren, oder vielleicht gehört er auch zu der Sorte Mann, der sich von seiner Frau dominieren lässt. Eine Tochter oder Schwester vermag ihren Vater bzw. Bruder zu beeinflussen, wenn dieser Zuneigung zu ihr empfindet, was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Eine Mutter übt solange Kontrolle über ihren Sohn aus, bis er alt genug ist um sich zu widersetzen. Wirklich unabhängig scheint eine Frau nur dann sein zu können, wenn es niemanden mehr gibt, der sie bevormunden könnte, was meistens bedeutet, dass ihre männlichen Verwandten einfach alle tot sind. Eigentlich das Beste, das sich eine Frau in Westeros erhoffen kann, dass ihr Ehemann sie wie eine gleichberechtigte Partnerin behandelt.

Worauf ich hinaus will: Sansa ist an diese Regeln gebunden, und noch dazu sehr jung. Die Idee, das eine 16-jährige Sansa am Ende der Serie von Winterfell aus ganz allein den Norden regiert, wenn nicht sogar ganz Westeros ist absurd und viel zu modern gedacht. Bestenfalls wird sie zusammen mit ihrem Ehemann regieren, oder besser gesagt, ihr Ehemann wird zusammen mit ihr regieren.

Aber wie gesagt macht das Ganze aus rein erzählerischen Gründen wenig Sinn. Robb ist tot und hat soweit wir wissen kein Kind mit seiner Frau gezeugt. Allerdings hat er ein Dokument verfassen und von seinen Untertanen unterschreiben lassen, das Jon höchstwahrscheinlich sowohl legitimiert als auch ihn zu seinem Erben bestimmt. Da ich davon ausgehe, dass Jon das Attentat überlebt, steht er damit schon einmal vor Sansa als Erbe. Und selbst wenn dem nicht so sein sollte, wären da immer noch Bran und Rickon, die vor ihr als Erben in Frage kommen. Also erst wenn alle drei männlichen Erben tot sind, hat Sansa überhaupt eine Chance darauf als Erbin von Winterfell eingesetzt zu werden. Und selbst das ist längst keine Garantie, da sich die Adeligen des Nordens jederzeit dagegen entscheiden könnten, falls ihnen Sansas Ehemann nicht passt. Ja, es ist stark davon auszugehen, dass Sansa eben nicht ledig bleibt. Offiziell ist sie noch mit Tyrion verheiratet, auch wenn ihre Ehe theoretisch ungültig ist. Aber Littlefinger plant ja bereits ihre nächste Ehe, und zwar die mit Harry. Und vermutlich anschließend mit sich selbst sobald Harry aus dem Weg geräumt worden ist.

Tatsächlich scheint es so, dass Littlefinger allerdings größere Ambitionen hat als Sansa jediglich zur Herrin von Winterfell zu machen. Nur ist es mir ein Rätsel wie er das schaffen will. Idealerweise würden sich die Riverlands, der Norden und das Vale zusammenschließen, während die Lannisters und Tyrells sich gegenseitig bekämpfen. Welche Rolle dabei Dorne, die Stormlands und die Iron Islands spielen sollen, ist mir dabei unklar, und ich vermute ja, dass Littlefinger sich dann doch etwas verkalkuliert hat. Den Norden kann er vergessen, solange es die drei männlichen Erben gibt. Die Riverlands scheinen gar nicht in der Lage zu sein, um noch groß Krieg führen zu können. Außerdem haben die Freys und Lannisters hier zumindest noch die Kontrolle. Noch sind die Lannisters an der Macht, wobei ich zugeben muss, dass es ihnen inzwischen an kompetenter Führung mangelt, was für sie letztlich der Untergang bedeuten könnte. Die Tyrells haben das Problem, dass sie sich nicht offiziell mit den Lannisters anlegen können, da Margery ja mit Tommen verheiratet ist. Daher ist ein Krieg zwischen den beiden Häusern für die Tyrells wohl auch kaum erstrebenswert. Vermutlich werden sie versuchen Cersei zu beseitigen.
Eine andere Möglichkeit könnte allerdings sein, dass sie Aegon akzeptieren, sofern er Margery ehelicht sobald Tommen beseitigt ist. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sie jemals mit Aegon zusammenarbeiten. Außer natürlich Margery stirbt, was ich gar nicht so unwahrscheinlich halte.
Dann wäre da natürlich noch Dorne, das durchaus den Untergang der Lannisters wünscht, andererseits aber auch die Ambition verfolgt in die königliche Familie einzuheiraten. Und mit Quentyns Tod bleibt da eben nur noch eine Ehe zwischen Arianne und Aegon als Option, da sie Dany wohl kaum den jungen Trystane andrehen werden können. Nur stellt sich da das Problem, dass Aegon eben plant Dany zu heiraten, denn sie hat Drachen, was vermutlich bisher jeder in Westeros für einen Scherz hält. Außer natürlich Euron, der selbst über ganz Westeros regieren will.
Doch wieder zurück zu Littlefinger. Die Frage ist eben, was weiß er und was weiß er nicht. Ich glaube z.B. nicht, dass er weiß, dass der Norden Sansa nicht akzeptieren wird. Ich glaube auch nicht, dass er von Aegons Existenz gewusst hat. Und ich glaube nicht, dass er weiß, dass Dany tatsächlich drei Drachen hat. Über Eurons Pläne dürfte er auch wenig wissen.
Der Verlust des Nordens dürfte weniger tragisch sein. Und theoretisch kann er ja versuchen Sansa an Aegon zu verschachern, indem er diesem die Riverlands und das Vale anbietet, womit er bessere Chancen haben könnte als Dorne, die ja eigentlich aus familiären Gründen Aegon unterstützen müssten. Tja, da ist aber eben Dany, die alle Pläne von Littlefinger so einfach zunichte machen kann. Wobei Dany auch ein gewisses Dilemma hat, da ich davon überzeugt bin, dass wenn sie in Westeros auf Dauer Fuß fassen möchte, muss sie in eins der großen Häuser einheiraten. Und da ist die Auswahl geeigneter Kandidaten nicht wirklich groß.

In Dorne haben wir Trystane, der noch nicht einmal in der Pubertät ist. Von den Tyrells kommt eigentlich nur Willas in Frage, der angeblich recht langweilig sein soll und noch dank einem Reitunfall ein verkrüppeltes Bein hat. Von den Lannisters dürfte eigentlich niemand in Frage kommen, außer Dany wäre gewillt Tyrion oder jemanden aus dem Nebenzweig zu ehelichen. Edmure Tully ist bereits verheiratet und sein Onkel Brynden zu alt (und er würde sich bestimmt weigern). Robert Arryn ist noch jünger als Tyrstane und noch dazu kränklich. Theoretisch käme Harry in Frage, sofern er zu dem Zeitpunkt noch am Leben ist. (Gut das gilt eigentlich für alle) Alle männlichen Baratheons bis auf Stannis scheinen tot zu sein, und er selbst ist zudem verheiratet. Die Greyjoys hätten zwar Euron, Victarion und Theon (sofern dieser nicht kastriert wurde) zu bieten, sind aber von den großen Häusern gleichzeitig dasjenige Haus, von dem Dany am wenigsten profitieren würde, da die Iron Islands nicht nur arm, sondern eben auch wenig bewohnt sind. Und mit Drachen, wer braucht da eine Seemacht in Westeros? Dann wäre da natürlich noch Aegon, der es aber schwer haben dürfte für längere Zeit unverheiratet zu bleiben. Tja, und der letzte Kanditat wäre doch tatsächlich ein legitimer Jon Stark, der sich sogar als ein Targaryen herausstellen könnte. Also nochmal:

Trystane (zu jung)
Willas
Tyrion
Brynden
Robert (zu jung)
Harry
Euron
Victarion
Theon
Aegon
Jon

Wie gesagt, gegen Trystane und Robert spricht deren Alter. Gegen Tyrion, dass er ein Lannister ist, aber auch dass er ein Zwerg ist. Brynden würde garantiert ablehnen, falls er überhaupt in Frage kommt. Euron, Victarion und Theon bzw. Haus Greyjoy besitzt einfach nicht die gleiche Bedeutung wie die restlichen Häuser. Bleiben als Willas, Harry, Aegon und Jon, die auch vom Alter her angemessener wären. (Wobei Willas glaube ich bereits über 21 ist) Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Aegon und Dany an einander geraten werden. Tja, und ich bin etwas skeptisch darüber, ob Willas und Harry überhaupt die Serie überleben werden, da sowohl das Reach als auch das Vale bisher extrem glimpflich davon gekommen sind. So bliebe nur noch Jon, von dem ich ja eh glaube, dass er eine extrem wichtige Rolle noch spielen wird. Und außerdem ist er ja eh auf dem besten Weg zum Anführer des Nordens zu werden....
Aber wie gesagt, das ist alles nur unter der Vermutung, dass Dany überhaupt am Ende Westeros regieren wird, was ja gar nicht so sicher ist. Aber dennoch wesentlich wahrscheinlicher als Sansa, die man in dem Fall ja sowieso ins kalte Wasser werfen würde. Denn eins muss man Dany lassen, sie hat wesentlich mehr Erfahrung vom Regieren, auch wenn sie noch viel zu lernen hat. Dementsprechend wäre Sansa entweder ein Disaster auf dem Thron oder eben einfach eine Marionette.
justamyth: (library)


Ebook, 225 Seiten
2011, Quirk Publishing
Gelesen: 11.11. - 12.11.2011

Eigentlich lese ich immer nur ein Buch am Stück, weil ich sonst Gefahr laufe, dass ich Interesse an dem Buch verliere, das ich zuerst angefangen hatte. Das war hier kein Problem, da sich das Buch relativ schnell lesen lässt - im Gegensatz zu Dune. Nun ja.

Das Buch ist von der Aufmachung her, klasse. Nicht nur auf dem Cover sieht man ein altes, echtes (!) Bild, sondern auch innerhalb des Buches findet man zahlreiche alte Fotografien, deren Darstellungen nahtlos in die Geschichte eingeführt worden sind. In der Tat hat man das Gefühl als hätte der Autor diese alten Fotografien zu Hause gehabt und drum herum seine Geschichte gesponnen.

Auch ist das Buch an sich ziemlich gut - am Anfang. Und das ist es leider. Zu Beginn entwickelt der Autor eine mysteriöse und gefährliche Atmosphäre, bei der ich nicht schnell genug lesen konnte. Nur zu gerne geht man mit Jakob auf die Reise nach Wales, um herauszufinden wie und warum sein Großvater gestorben ist. Und wer überhaupt diese Personen auf den alten Fotos sind, die sein Großvater behalten hatte. Man ist ganz gespannt, als Jakob nur ein ruinöses altes Haus findet, das im September 1940 von einer deutschen Bombe getroffen worden war. Hatte sein Großvater doch noch vor 15 Jahren von hier einen Brief erhalten!

Nur leider als das Geheimnis so allmählich sich lüftet, nimmt auch das Interesse am Buch ab. Denn schnell wird klar, huch, das ist ja doch gar keine Horrorgeschichte.... (Ja, das war ernsthaft meine Erwartung!) und irgendwie ist die Handlung vorhersehbar. Noch bevor Jakob überhaupt das Waisenhaus das erste Mal sieht und er beschreibt wie er durch dichten Nebel geht, dachte ich mir, hm, ich wette die befinden sich in irgendeiner anderen Welt. Und in gewisser Weise tun sie es, auch wenn es sich mehr als eine andere Zeitebene herausstellte. Dann spätestens als Dr. Golan mit Jakob telefoniert und erwähnt er sei an einem Flughafen, war mir völlig klar, dass er zu den Bösewichten gehört. Die Raubung von Miss Peregrine und die folgende Rettung war ja auch sowas von vorhersehbar. Mich hat es vielmehr überrascht, dass das Buch ein Ende hat, das eine Fortsetzung verlangt. Ich dachte bei dem Buch handle es sich um einen Einzelroman.

Die Charaktere, nun ja, sie waren irgendwie durch ihre Fähigkeiten definiert. Es ist schon ziemlich klischée, wenn z.B. Bronwyn nicht ganz helle ist, dafür aber bärenstark. Oder Enoch, der etwas sadistisch zu sein scheint und gleichzietig die Fähigkeit hat Tote kurz zum Leben zu erwecken. Oder Emma, die Feuer kontrolliert und gerne mal schnell wütend wird.
Und mein Problem mit Jakob ist eben, dass ich nicht wirklich nachvollziehen kann, dass er so einfach sein altes Leben zurücklassen kann. Wäre Jakob jemand gewesen, der bei seinem Großvater gelebt hatte und nun allein war nach dessem Tod, könnte ich es verstehen. Aber Jakob lebt bei seinen Eltern, die ihn lieben, und lebt dazu noch ein privilegiertes Leben, da seine Mutter aus einer reichen Familie stammt, und ihm steht eine entsprechende Zukunft vor. Zudem kannte er Emma und Co. gerade mal etwa eine Woche. Gut, er hatte angeblich nie Freunde, aber wer versucht mit Absicht gefeuert zu werden, weil er keine Lust hat in der Ladenkette seiner Familie zu jobben, sollte sich vielleicht auch nicht wundern.
Das Problem ist eben, dass wir wohl annehmen sollen, dass sein "anders sein" daran Schuld ist, dass er sich unter "normalen" Leuten nicht wohl fühlt oder nicht mit ihnen zurecht kommt. Nur hatte ich eben zu Anfang des Buches nicht den entsprechenden Eindruck. Vielmehr schien er ein Schwächling zu sein, den die anderen schikanieren, weil sie es können. Gut, vielleicht waren sie auch neidig, weil seine Familie reich ist, aber dann müsste man annehmen, er wäre der einzige dort gewesen, der aus so einer Familie kommt, was ich für etwas unwahrscheinlich halte.

Die obligatorische Romanze zwischen Jakob und Emma hat mich auch gestört. Dazu muss man festhalten, dass Emma und Jakob's Großvater vor gut 50 Jahren ein Paar waren. Und Emma auf ihn rund 30 Jahre gewartet hat, bis Abe ihr schließlich ein Foto geschickt hat, auf dem er mit seiner Tochter abgebildet ist. Ich schätze mal Freud hätte hier seinen Spaß mit Emma. Ausnahmsweise wird das Problem dieser Beziehung angesprochen, aber leider gleich wieder Dank männlicher Hormone seitens Jakob wieder fallen gelassen. Ja, Jakob ist sich bewusst, dass Emma nur seinen Großvater in ihm sehen könnte, aber es ist ihm letztlich egal. Seufz.

Nun ja, trotz all dem, habe ich das Buch gerne gelesen. Vielleicht lag es ja am Schreibstil, der sehr flüssig ist. Oder weil ich gehofft hatte, dass Jakob vielleicht sich doch anders entscheidet. Im Großen und Ganzen ist die Handlung aber leider nichts besonderes und die Charaktere sind auch nichts besondereres. Dementsprechend die Bewertung.

Bewertung: 3.5/5

Goodreads: 3.73
Amazon: 4.1
justamyth: (books & tea)


Paperback, 637 Seiten
2008, Bastei Lübbe
Gelesen: 31.10. - 07.11.2011

Tja, wo soll ich anfangen. Zunächst ist vielleicht einmal festzustellen, dass ich mit diesem Buch schneller fertig wurde als mit Feed oder Old Man's War, obwohl beide Bücher kürzer sind. Und nein, dass dieses hier in meiner Muttersprache ist, hat wenig damit zu tun. Und ich muss hier einen Vergleich ziehen, da die beiden Bücher, die ich zuvor gelesen hatte, sich definitiv auf meine Bewertung auswirken werden.

Das Buch So finster die Nacht war ein Weihnachtsgeschenk im Jahr 2010 gewesen. Ich habe es erst jetzt gelesen, weil ich bereits den Film gesehen hatte und dementsprechend hat es mich wahrscheinlich weniger gereizt das Buch zu lesen, und habe eben derweil andere Bücher gelesen. Auch ein Vergleich mit dem Film wird man machen müssen.

Aber erst einmal zum Buch. Die Handlung ist nicht besonders kompliziert, was hier allerdings nicht so schlimm ist, da die Charaktere im Zentrum der Geschichte stehen. Diese spielt im Jahr 1981 in einem Vorort von Schweden und wird aus der Perspektive verschiedener Charaktere erzählt. Zum einen wäre da der 12-jährige Oskar, dem man wohl auch als den Protagonisten bezeichnen könnte, und der ziemlich einsam ist, da er ein Außenseiter ist, der von dreien seiner Mitspieler schikaniert wird.
Der nächstwichtigeste Charakter ist Eli, ein 200 Jahre alter Vampir, der aber wie ein 12-jähriges Mädchen aussieht. Ende Oktober 1981 zieht dieser zusammen mit Hakan in die gleiche Hochhausreihe, in der auch Oskar wohnt. So lernen sich die beiden schließlich kennen und lieben.
Aber es spielen noch andere Charaktere eine Rolle. Da wäre zum Beispiel der 16-jährige Tommy, Lacke und Virginia, nicht zuletzt aber auch eben Hakan.
In dem Buch geht es eben um die Beziehungen dieser Menschen zu einander oder zu ihren Familien. Nebenbei findet aber auch die Jagd nach einem Mörder statt.

So wie Feed nicht eine Geschichte über Zombies war, war So finster die Nacht auch keine Geschichte über Vampire. Der Vampirismus war vielmehr der Stein um die Geschichte ins Rollen zu bringen, und ein Mittel um der Frage nachzugehen, was ein Monster ist.

So mag Eli auf den ersten Blick wie ein Monster wirken, doch während sich die Geschichte entwickelt, wird klar, so einfach lässt er sich nicht klassifizieren. Natürlich schickt er Hakan in die Nacht hinaus, damit dieser ihm frisches Blut besorgt. Und natürlich ist das, was er Jocke und Virgina antut grausam. Doch Eli ist ja nicht zum Vampir geworden, weil er es wollte. Er hat sich nicht ausgesucht, nur noch vom Blut lebendiger Menschen leben zu können. Auch kann er nichts dafür, dass er andere zum Vampir macht, wenn er diese am Leben lässt, nachdem er sie gebissen hat. Wenn er an etwas schuldig ist, dann daran, dass er sich dafür entschieden hat am Leben zu bleiben, anstatt sich umzubringen. Was vielleicht nobel gewesen wäre, aber welcher 12-jährige ist schon nobel? Ich glaube auch nicht, dass man Eli unbedingt als Monster wahrnehmen soll. Dafür sprechen die letzen paar Seiten, als die Schikane gegen Oskar eskaliert und man ihm ein Auge herausschneiden will, weil er es nicht schafft 5 Minuten unter Wasser zu bleiben. Da das sowieso kein normaler Mensch schafft, ist klar, dass von Anfang beabsichtigt gewesen war, Oskar so etwas anzutun. Hier ist reine Boshaftigkeit das Motiv. Auch ein Vergleich mit Hakan, der, nachdem er zum Vampir geworden ist, jegliche Menschlichkeit verliert, zeigt ganz gut, dass Eli längst nicht so schlimm ist, wie man meinen könnte.
Dennoch ist es etwas schwierig Eli sympathisch zu finden, denn wie gesagt, dass was Hakan für ihn tut, und dass, was er Jocke und Virginia antut, lässt dies nicht zu. Und das finde ich gut so. Denn ein Vampir, der andere umbringt um selbst zu überleben, sollte einfach nicht zu sympathisch sein.

Faszinierend fand ich Hakan. Er ist ein schwuler Pädophiler, aber mißbraucht nie einen Jungen. Wir erfahren, dass er mal Schwedischlehrer war, aber wegen seiner sexuellen Neigungen entlassen wurde. Er verfiel dem Alkohol, bis ihn schließlich Eli, einige Jahre bevor das Buch beginnt, aufgreift und ihn sich zu Nutze macht. Hakan bezeichnet Eli als Geliebten, aber es scheint so, als hätten die beiden niemals tatsächlich sexuellen Kontakt gehabt.
Ich vermute mal, dass Hakan sich selbst als Monster sieht. Und in der Tat werden Pädophile ja so in der Gesellschaft gesehen. So findet er eben in Eli einen Gleichgesinnten, ein anderes Monster. Vielleicht glaubt er aber auch, dass Eli durch sein eigentliches Alter in Wahrheit kein Kind mehr ist, auch wenn er wie eins aussieht.

Weniger begeistert war ich von den restlichen Charakteren. Ich fand Tommy etwas überflüssig. Mir ist seine Funktion in der Geschichte nicht ganz klar. War er am Ende nur in der Geschichte, damit Hakan ein Ende finden konnte?
Auch die Gruppe um Lacke und Virginia schien nur ein Mittel zum Zweck zu sein. Virginia zeigt uns, dass nicht jeder damit Leben kann, ein Vampir zu sein. Und in der Tat erwähnt Eli gegen Ende des Buches, dass es nur wenige Vampire gibt, weil sich viele lieber umbringen. Der Rest der Clique diente vielmehr als sozialer Kommentar über das Schweden der 80er, welches überhaupt nicht besonders gut wegkommt, muss man mal sagen. Überall kaputte Familien und Alkoholiker. Nicht ein Mensch war in diesem Buch glücklich.

Nunja, soweit ich mich erinnere gab es Tommy in der schwedischen Verfilmung auch gar nicht. Dementsprechend hat man ja auch Hakans Ende abgeändert, der anders wie im Buch, nicht wieder als Untoter zurückkehrt. Das wäre auch ziemlich eklig geworden. Ich weiß noch, dass Virgina eine Rolle im Film hatte, aber ich kann mich nicht mehr erinnern wie es bei ihr aus ging. Der Film konzentrierte sich hauptsächlich auf die Beziehung zwischen Oskar und Eli, blieb ihr im Grunde sogar relativ treu. Wer im Film eben leider zu kurz kommt, ist Hakan. Aber ansonsten würde ich fast behaupten, dass der Film sogar etwas besser ist als das Buch.

Denn mal ehrlich, das Buch war etwas lang. Manche Stellen haben sich etwas gezogen, eben besonders die von Tommy oder der Clique um Lacke. Etwas von der Spannung war wegen dem Film auch raus. Trotzdem fand ich das Buch in Großen und Ganzen gut. Jedenfalls wesentlich besser als die beiden vorherigen Bücher, bei denen es hauptsichtlich darum ging die Welt des Buches zu erklären.

Bewertung: 3.5/5

Goodreads: 3.98
Amazon: 4.0
justamyth: (b&w books)

Paperback, 314 Seiten
2007 by Tor
Gelesen: 19.10. - 30.10.2011

Das Buch lässt sich in etwa beschreiben als eine Mischung aus Avatar und Dark Angel. Vielleicht nicht ganz fair, da Avatar vier Jahre jünger ist das Scalzis Buch, aber meine Erfahrungen mit Science-Fiction halten sich nun mal in Grenzen.

Die Geschichte wird aus der Sicht von John Perry (eine Homage an Perry Rhodan?) erzählt, der im Alter von 75 Jahren in die Armee eintritt. Bei dieser Armee handelt es sich natürlich nicht um die herkömmliche Armee, sondern um die sogenannte CDF, die menschliche Kolonisten und ihre Kolonien beschützt sowie neue bewohnbare Planeten findet und sie gegebenenfalls erobert. Wer oder was die CDF genau ist, wer dahinter steckt und wie sie finanziert wird, wird im Buch nicht verraten. Bevor das offizielle Training beginnt, erhalten zunächst einmal alle Rekruten einen super, tollen, neuen und vorallem grünen Körper, der dem des Menschen überlegen ist. Dies ist auch nötig, denn mit den Aliens in Scalzis Universum ist nicht zu spaßen. Etwa 2/3 der Rekruten sterben in den ersten zwei Jahren.
Nach der Ausbildung zum Fußsoldaten, folgen wir Perry in einige Schlachten und lernen so feindliche Aliens kennen. Schließlich gerät Perry in eine Schlacht, die in einem Massaker von rund 95.000 CDF Soldaten endet, und die Perry überraschenderweise überlebt. Gegen Ende des Buches findet sich Perry bei einer Spezialeinheit wieder, der sogenannten Ghost Brigade, deren Mitglieder aus eben jenen Körpern besteht, deren Besitzer vor dem Transfer ihres Geistes starben. Wer da nun genau drin steckt erfährt man nicht. Schließlich endet das Buch damit, dass Perry für seine Taten als Held gefeiert wird.

Ich habe vor Kurzem erfahren, dass dieses Buch verfilmt werden soll, was sich nicht als schwierig herausstellen dürfte, da ich beim Lesen das Gefühl hatte, ich würde mir einen Film ansehen, aber nicht unbedingt ein Buch lesen.

Die Handlung ist ziemlich unkompliziert, da es hauptsächlich darum geht wie Perry Soldat wird und dann als solcher dient. Dementsprechend kommt auch nicht wirklich groß Spannung auf. Eigentlich war das Einzige, das mir Spannung machte, die Hoffnung, dass jetzt gleich irgendeine unerwartete Wendung passiert. Doch da wurde ich leider enttäuscht. Übrigens auch der Grund, warum ich 11 Tage zum Lesen gebraucht habe.

Zumindest gibt es einige unerwartete Fragen, die mich beschäftigen. Wie oben bereits erwähnt, ist die CDF ziemlich mysteriös, was allerdings auch an der Unwissenheit und am Desinteresse von Perry liegen könnte. Eine andere Frage betrifft die Consu und deren Pläne. (Oder zumindest war ich unter dem Eindruck, dass sie irgendein Ziel beabsichtigen.) Dann wäre da noch die Ghost Brigade. Am Anfang des Buches bekommt man als Leser erklärt, dass die Persönlichkeit eines Jeden von deren alten Körpern in die neuen, modifizierten Körper übertragen wird. Der alte Körper ist danach noch lebendig, aber eben "leer". Da die CDF die neuen Körper ein Jahrzehnt vor dem Eintreffen der Rekruten kreiert, schaffen es aber nicht alle Rekruten zu ihrem "Seelentransfer", weil sie vorher sterben. So zum Beispiel Perrys Frau Kathy, deren Körper wir in Gestalt von Jane begegnen. Und da stellt sich eben die Frage: Wer ist "Jane"? Sie kann nicht Kathy sein, da diese neun Jahre zuvor auf der Erde starb. Und doch wird angedeutet, dass Jane gewisse Charaktereigenschaften von Kathy besitzen soll. Ich hätte mir hier etwas mehr Klarheit gewünscht.

Die Charaktere haben mich nicht überzeugt, muss ich leider sagen. Am Ende hatte ich den Eindruck, dass Perry und Jane lieber Gary Stu und Mary Sue hätten heißen sollen. Der Autor befasst sich auch nicht wirklich mit dem Problem, dass die beiden im Prinzip einen 70-jährigen Altersunterschied haben. Sicher, es wird mal kurz erwähnt, dass Jane emotional nicht sehr erwachsen sei, aber so wirklich kommt das nicht zum Ausdruck und ist schon gar nicht ein Problem, obwohl es eins sein sollte. (Überhaupt hat sich niemand gemäß seinem Alter benommen.) Die anderen Charaktere dienten größtenteils dazu, um Perry, und damit dem Leser, etwas zu erklären.

Die Handlung war also nicht besonders interessant und die Charaktere waren auch nicht gerade der Hammer, und doch war das Buch nicht unbedingt schlecht. Ich hab im Prinzip wieder das gleiche Problem, das ich zuvor mit Feed hatte. Nur mit dem Unterschied, dass Scalzis Buch etwa halb so lang ist und mich sein Schreibstil nicht genervt hat.

Bewertung: 3/5

Goodreads: 4.16
Amazon: 4.3

PS: Ich habe langsam den Verdacht, dass Bücher aus der Ich-Perspektive vielleicht nichts für mich sind. Andererseits hat mir Moores Die Bibel nach Biff sehr gut gefallen... Hmmm.
justamyth: (Default)
Sich Ziele zu setzen macht es meist einfacher sie auch zu erreichen. Also fordere ich mich selbst heraus...

...bis Ende 2012 mindestens 3 Klassiker zu lesen.
The Count of Monte Cristo [Alexandre Dumas] (1276)
Anna Karenina [Leo Tolstoy] (940)
A Tale of Two Cities [Charles Dickens] (489)


...bis Ende 2012 mindestens 10 Bücher aus meiner TBR Liste zu lesen.
Ein Buch von Catherynne M. Valente
The Windup Girl [Paolo Bacigalupi] (361)
Blindsight [Peter Watts] (384)
Fledgling [Octavia E. Butler] (320)
The Folding Knife [K.J. Parker] (528)
Perdido Street Station [China Miéville] (623)
Fudoki [Kij Johnson] (320)
A Song for Arbonne [Gavriel Guy Kay] (512)
Katherine [Anya Seton] (576)
The Lion in Winter [James Goldman] (128)
justamyth: (Default)

Paperback, 583 Seiten
2010, Orbit
Gelesen: 06.-17.10.2011


Feed: Vielmehr ein Buch mit Zombies statt einem Buch über Zombies, das von vielen gelobt wurde und von dem ich hohe Erwartungen hatte.

Nachdem ich es nun selbst gelesen habe, kann ich behaupten es ist kein schlechtes Buch, doch wundert mich die große Menge an positiven Bewertungen dann doch etwas. Die Handlung lässt sich schnell zusammenfassen: Im Jahr 2040 begleiten ein paar Blogger einen amerikanischen Senator auf seiner politischen Kampagne und stoßen dabei auf eine Verschwörung, die fatale Folgen hat. Nein, komplexer ist die Handlung wirklich nicht und ohne groß zu übertreiben umfasst sie vermutlich nicht mehr als 100-150 Seiten. Dazu sollte ich vielleicht anmerken, dass bei meiner Ausgabe die Geschichte auf Seite 571 aufhört. Was passiert also auf den anderen 400 Seiten? Hauptsächlich Weltenbau. Was nicht so schlimm wäre, wenn die Autorin nicht ständig ihre eigene Erzählung unterbrechen würde, um dann mitunter eine ausführliche (sprich: Seitenlange) Erklärung zu liefern.

Abgesehen vom Erzählstil, ist die Welt, die Mira Grant geschaffen hat durchaus interessant und mal was anderes. Gut ich muss zugeben, World War Z und The Walking Dead ausgenommen, habe ich keine große Ahnung von Zombieliteratur, aber was zumindest viele Zombiefilme angeht, so dreht sich deren Handlung meist darum, wie es zum Ausbruch kommt, der dann den Großteil der Menschheit dahin rafft, und weniger darum wie die Menschheit überlebt und vorallem in welchem Zustand sie 20 Jahre später weiterlebt. In dieser Hinsicht ist Feed auch empfehlenswert. Aber auch nur in dieser. Denn mal ehrlich, weder Handlung noch Charaktere sind besonders komplex. Okay, vielleicht wird die Handlung noch komplexer, da Feed der erste Teil einer Trilogie ist, aber für die Charaktere habe ich wenig Hoffnung.

Wir hätten da Georgia Mason, die Erzählerin der ersten 500 Seiten von Feed, die ihren Bruder abgöttig liebt und für die Wahrheit alles tun würde. Dann wäre da ihr Bruder Shaun Mason, der seine Schwester ebenfalls abgöttig liebt und ein Adrenalin-Junkie ist. Als nächstes Buffy Meissonier, ein Technik-Genie sowie Poetin. Senator Ryman, der perfekte und völlig unrealistische Politiker. Gouvereur Tate, dem man auf dem ersten Blick anmerkt, dass er der Bösewicht ist. Und schließlich Rick Cousins, dessen Funktion in der Geschichte mir immer noch nicht ganz klar ist und der auf einmal am Ende des Buches ohne Erklärung plötzlich als Vize-Präsident kandidiert. Das wären in etwa die wichtigsten Personen und sie lassen sich tatsächlich so einfach kategorisieren.

Damit mir ein Buch wirklich gefällt, müssen zumindest entweder die Handlung oder die Charaktere stimmen. Wie gesagt, ersteres ist etwas zu kurz geraten. (Wobei ich auch sagen muss, wenn denn endlich mal etwas geschah, ich die Seiten geradezu verschlungen habe.) Dementsprechend hätten mich die Charaktere fesseln müssen, und das tun sie einfach nicht. Das Buch wird in der Ich-Person erzählt, hauptsächlich aus der Sicht von Georgia Mason, und man könnte meinen, als Leser würde man automatisch eine Beziehung zu Georgia aufbauen können. Von wegen. Vielleicht geht es nur mir so, aber das ganze Buch wurde mit einer derartigen Distanz erzählt, dass ich automatisch ebenso von dem Geschehen distanziert war. Weder Buffys noch Georgias Tod hat mich berührt. Was mich berührte, war interessanterweise der Tod von Rebecca, der gerade mal in wenigen Sätzen abgehandelt wurde und bei dem wir noch nicht einmal dabei waren.

Aber vielleicht ist genau das das Problem. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Autorin die Fantasie des Lesers anregen wollte. Sich ständig wiederholende Beschreibungen zeugen davon. Ständig wird wiederholt (und oft immer wieder ausführlich beschrieben), dass man sich immer wieder Bluttests unterziehen muss. Ständig wird wiederholt, dass Georgia eine Augenkrankheit hat. Ständig wird wiederholt, was für ein Technik-Genie Buffy ist. Ständig wird wiederholt, dass die Masons nichts für Georgina und Shaun empfinden. Das heißt, wenn mich eins an dem Buch genervt hat, dann eben diese Wiederholungen. Ich weiß nicht warum die Autorin das gemacht hat. Vielleicht sollte es eine Eigenart Georgias sein. Vielleicht dachte sie auch, ihre Leser sich nicht besonders intelligent. Keine Ahnung, aber es war jedefalls nervig.

Zum Abschluss noch kurz ein Wort zum Ende. Ich fand es geradezu lächerlich. Da steht Shaun mit einer Waffe in der Hand, die auf Tate gerichtet ist. Dieser meint noch so ganz theatralisch, dass man sich an Märtyrer erinnert und rammt sich die Spritze mit dem Virus ins Bein. Alle drum herum reagieren panisch, weil sie denken, jetzt wird er gleich zum Zombie. Ich musste in dem Moment aufhören zu lesen und habe mich ernsthaft gefragt, was zur Hölle ich hier gerade lese. Natürlich wird Tate nicht zum Zombie! Shaun steht da schließlich immer noch mit der Waffe in der Hand, die er auf ihn gerichtet hält. Also ehrlich, die ganze Szene las sich wie ein schlechter Film und ich frage mich echt was sich die Autorin dabei dachte. Und warum sie Emily verschont hat. DAS wäre doch mal ein Ende gewesen!

Fazit: Komplexe Handlung und Charaktere sollte man hier nicht erwarten, aber die Welt, die Grant geschaffen hat, ist durchaus interessant. Ich habe meine Ausgabe bei Amazon für gerade mal 2,27€ (Gebraucht, aber in sehr gutem Zustand und ich brauchte keine Versandkosten bezahlen, also ja, das ist der tatsächliche Preis) gekauft und bin im nachhinein froh nicht mehr ausgegeben zu haben.

Bewertung: 3/5

Goodreads: 4.02
Amazon: 4.3

(no subject)

Sat, Oct. 15th, 2011 22:24
justamyth: (Default)
Ich habe inzwischen knapp 350 Seiten von Feed gelesen und wenn ich noch einmal lesen muss, wie Licht Georgia Kopfschmerzen bereitet wegen ihrer Augenkrankheit, oder wie ein Tier unter 40 Pfund nicht zum Zombie mutieren kann, oder wie sich die Leute ständig einem Bluttest unterziehen müssen, fang ich an zu schreien.

Das Buch besteht schon zu gut 70% aus Exposition und die Autorin hält es dennoch für nötig gewisse Dinge 10mal zu erwähnen! Es gibt nichts schlimmeres als ein Autor, der meint, seine Leser seien dumm oder könnten sich nichts merken. Argh!
justamyth: (Default)


Paperback, 944 Seiten
2006, Tor Fantasy
Gelesen: 13.07. - 06.10.2011

Der dritte Band in der Malazan Reihe. Theoretisch hatte ich das Buch bereits im Juli angefangen, aber dann ist die Uni dazwischen gekommen, und letztlich habe ich gut 60% des Buches in den letzten 7 Tagen gelesen.

Ich muss sagen, dass ich Band 2 besser fand, vorallem weil das Tempo wesentlich besser war. Zudem spielten dort weniger Charaktere eine Hauptrolle, so dass es einfacher war den Überblick zu behalten.

Zunächst was mir nicht gefallen hat: Hauptsächlich die Mhybe-Handlung. Oder vielmehr deren Länge, wenn man bedenkt, dass die Mhybe größtenteils damit beschäftigt war ihre Situation zu beklagen sowie unbegründete Ängste zu äußern. Auf Dauer hat mich das genervt. Zum Glück waren ihre einzelnen Passagen relativ kurz, sonst hätte ich sie vermutlich übersprungen.

Coll, Murillio, Bauchelain und Korbal Broach waren relativ überflüssig. Die ersten beiden waren nur in der Geschichte um die Mhybe in Capustan zu verstecken, was sich letztlich sowieso als unnötig erwies. Und die letzten beiden hätte man gut und gerne weglassen können. Außer sie sollten sich noch als wichtig für die weitere Handlung erweisen....

Das Tempo. Oder vielmehr mir fehlte die Dringlichkeit, die ich im zweiten Buch gefühlt habe während der Chain of Dogs Handlung, und das obwohl sowohl Capustan als auch Dujeks Armee in Coral drigend Hilfe gebraucht hätten. Ein paar Seiten weniger hätten auch nicht geschadet.

Nicht genug Rake, zumal seine Abwesenheit gegen Ende nicht ganz so nachvollziehbar war. Das Gleiche lässt sich eigentlich auch über Caladan Brood sagen, der sich natürlich praktischerweise dafür entscheidet langsamer auf Coral zu marschieren als die Malazans und er sowie seine Armee fehlten dann im entscheidenden Moment.

Besonders gefallen hat mir glaub ich, dass Paran und Quick Ben hier wesentlich sympathischere Charaktere waren. Ich wusste nicht so recht was ich von den beiden im ersten Buch halten sollte, daher war es eine angenehme Überraschung, dass Erikson sie hier weiter entwickelt hat.

Überraschend fand ich auch Whiskeyjacks Tod. Ich hatte erwartet, dass Itkovian stirbt, aber nicht Whiskeyjack. Zumindest noch nicht.

Neben den Abenteuern von Paran und Quick Ben, gefiel mir auch besonders die Handlung um Toc the Younger. Die Seguleh waren irgendwie cool. Hoffentlich sehen wir sie mal wieder.

Verwirrt hat mich, dass Tool am Ende wieder sterblich war. Oder zumindest aus Fleisch und Blut. Dazu gab es nun wirklich keine Erklärung.

Ich fand auch gut, dass hier nicht das typische "Die Guten töten die Bösen" Muster durchgezogen wurde, sondern dass z.B. Pannion eine zweite Chance bekommen hat, zumal er durchaus auch ein Opfer hier war. Und dass man ihn verschont hat war ja auch nicht ganz ohne Hintergedanken.

Bewertung: 4/5

Goodreads: 4.39
Amazon: 4.3
justamyth: (Fire & Ice)


Hardcover, 1017 Seiten
2011, Voyager
Gelesen: 13.07. - 17.07.2011

So. Gerade eben mit A Dance with Dragons fertig geworden. Erster Gedanke: HER MIT DEM NÄCHSTEN BAND! Zweiter Gedanke: Irgendwie... war es aber nicht so befriedigend wie erwartet?

Doch halt. Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass A Feast for Crows und ADwD eigentlich ein Buch sind. Und dann sieht das doch schon wieder ganz anders aus.

Ich meine, klar ist es toll wenn man nach 11 Jahren (!!!) endlich wieder auf Charaktere trifft, die man vermisst hat, aber man ist schon etwas enttäuscht, wenn man dann so gegen Ende des Buches merkt: also besonders viel sind wir mit der Handlung aber nicht weitergekommen. Aber wie gesagt, zwei Bände, aber ein Buch, und dann ist klar, dass man nicht viel mehr erwarten konnte, außer GRRM hätte 2000 Seiten drauß gemacht.

Und natürlich musste eins der Kapitel mit einem überaus gemeinen Cliffhanger enden. Ich rede natürlich von Jon. Ist er nun tot oder nicht? Ich neige zu nein. Seine Rolle ist noch nicht zu Ende Nicht zuletzt, weil ich glaube, dass Jon der uneheliche Sohn von Rhaegar und somit ein halber Targaryen ist. Verstärkt wird dieser Glaube davon, dass a) der Drache drei Köpfe hat (wie oft und gerne erwähnt wird und mit Daenerys, Aegon und Jon hätten wir jetzt ja drei) und b) immer wenn Melisandre ihre Flamen nach Azor Ahai befragt hat, sie nur Jon gesehen hat, der vielleicht ähnlich wie Daenerys im Feuer wiedergeboren werden wird? Ach und c) bisher sind alle Charaktere sehr, sehr eindeutige Tode gestorben.

A propos Aegon. Tja, wer hätte gedacht, die ganzen Mutmaßungen im Fandom haben sich tatsächlich bewahrheitet und Aegon lebt noch. Ich weiß nicht so recht, was ich von ihm halten soll. Young Gerris war mir ja noch symphatisch, aber als er sich dann wie ein Prinz aufgeführt hat, der ganz offensichtlich von nichts wirklich eine Ahung hat (nur ein Bekloppter würde einen Sturm auf eine schwer einnahmbare Festung anführen wollen), war er mir wesentlich weniger symphatisch. Wobei ich durchaus verstehen kann, dass er sich beweisen will.

Ich finde den Kontrast zwischen Jon, Daenerys und Aegon äußerst interessant, zumal alle drei etwa gleich alt sind. Wir haben Daenerys, die seit etwa 2 Jahren die Rolle einer Königin erfüllt, und das mehr oder weniger erfolgreich, wobei immer noch besser, als wenn sie völlig ohne Erfahrung den Thron von Westeros besteigen würde. Dann ist da Jon, der erst als "Soldat" gedient hat und dann selbst die Führung übernommen hat, und damit ebenfalls seine Erfahrungen sammelt, was es heißt andere anzuführen und wie schwierig das ist. Tja, und dann haben wir Aegon, den man eindeutig als Erben erzogen hat, aber der bisher keine Erfahrung hat und vermutlich auch nicht so schnell bekommen dürfte, so lange sein Ziehvater, Jon Connigton, das Sagen noch hat. Oder zumindest denke ich, dieser wird alles mögliche daran setzen, Aegon möglichst aus allen raus zu halten bis er auf dem Thron sitzt. Ob ihm das gelingen wird, ist natürlich eine andere Frage.

Gut bei GRRM weiß man nie, aber wenn diese drei wirklich diejenigen sein sollten, die in Zukunft die Drachen reiten werden, dürfte es äußerst interessant werden. Und es stellt sich nebenbei nach Jons letztem Kapitel überhaupt die Frage, ob dieses nicht auch die Grundlage dafür war, ihn irgendwie aus der Night's Watch raus zu bekommen?

A propos Drachenreiter: Hatte Dany eine Fehlgeburt oder hat sie die Krankheit erwischt? Ich denke eher ersteres, weil a) Dany erwähnt in dem Buch, dass sie noch nie in ihrem Leben krank war und b) weil sich nicht mehr daran erinnern kann, wann sie zuletzt ihre Periode hatte. Fand ich schon sehr merkwürdig. Überhaupt stellt sich die Frage, ob Mirri Maz Duur wirklich damit Recht hatte, dass Dany nie wieder Kinder haben wird. Nicht, dass ich es GRRM nicht zutrauen würde, aber dann könnte es später zu echten Problemen führen, wenn es um die Nachfolge geht. Mal angenommen, Aegon und Dany heiraten tatsächlich. Die beiden hätten nie Kinder. Und Jon ist so oder so ein Bastard. Das heißt, selbst wenn er aus der NW austreten sollte, wären seine Kinder genausowenig legitim wie er (außer er wird wie Ramsay legitimiert). Gut, GRRM erzählt ja eh kein Märchen, wo alles ein gutes Ende nimmt....

Ich weiß nicht, was ich von Melisandre halten soll! GRRM hat es mal wieder geschafft, und dadurch, dass wir mal durch ihre Augen blicken konnten (sozusagen), ist sie mir gleich viel symphatischer geworden. Ich glaube, letztendlich ist sie einfach eine typische Religionsfigur, die wirklich nur das Beste will und dafür eben über Leichen geht... Allerdings frage ich mich schon, ob alle roten Priester an einem Strang ziehen oder nicht. Melisandre scheint ja immer noch zu glauben, sie könne Drachen erwecken, während Moqorro dabei ist die Drachen an Victarion zu binden?

Des Weiteren bin ich mir Brans scheinbaren Schicksal unzufrieden. Das kann es doch nicht ernsthaft gewesen sein? Zumal was soll es bringen, wenn er zum nächsten Greenseer mutiert? Er kann ja mit niemand kommunizieren. Soll es das echt gewesen sein?

Und mir ist endlich klar geworden, warum mich Aryas Kapitel am wenigstens interessieren. Es kann sich natürlich noch ändern, aber bisher hatte ihr Teil irgendwie immer oder zumindest seit sie in Braavos ist, am wenigsten mit der größeren, übergreifenden Handlung zu tun und hat diese überhaupt nicht voran gebracht. Ich glaube, Aryas Geschichte ist mir einfach zu isoliert vom Rest, als dass ich sie genießen könnte. Was schade ist, weil ihr Teil eigentlich am mysteriösesten ist. Ich meine, GRRM wird sich ja was dabei gedacht haben, sie zu einer Attentäterin ausbilden zu lassen, aber wir sind jetzt im fünten Buch und es hat bisher immer noch keine Früchte getragen.

Ach, und Rickon ist irgendwo bei Kannibalen untergekommen? Hab ich das richtig mitbekommen? Aber schön, dass wir ihn bald wieder zu Gesicht bekommen dürften. Sofern Davos die Reise überlebt...

Achja, Ramsay. Meine Fresse, wie grausam kann man sein? Übrigens, sein Brief war 100% zusammengelogen. Allein, dass er nach Reek fragt, der wie wir wissen zusammen mit Jeyne bei Stannis ist, beweist das. Ich nehme mal an, er hat noch nicht einmal Mance, sondern wird sich eine der Frauen geschnappt haben und sie solange gefoltert haben, bis sie alles ausgeplaudert hat.

Wobei es vielleicht nicht unbedingt schlecht wäre, wenn Stannis doch besiegt worden ist. Ich meine, mittlerweile haben wir dermaßen viele unterschiedliche Handlungen, ich weiß echt nicht wie GRRM die im nächsten Buch unter den Hut bringen will. In King's Landing haben wir Cersei, die sich nach Kevans Tod wieder mit den Tyrells anlegen dürfte. In Dorne haben wir Doran, der sich wohl mit Connigton und Aegon zusammen tun wird. Irgendwo aufm Meer kämpft Euron gegen die Redwynes (wobei das eventuell off-screen gehanhabt werden wird). Dann wäre da die Sache mit Jaime, der von Brienne zu Lady Stoneheart gebracht wurde (nehme ich mal an). Im Tal hocken Sansa und Littlefinger, dessen Herrschaft garantiert nicht einfach so befürwortet wird, wie er es gern hätte. Das Gefecht um Winterfell dürfte noch ausstehen, auch wenn Ramsays Brief das Gegenteil behauptet hat. Davos ist ausgezogen um Rickon zu finden. An der Wall dürfte nach Jons Attentat Chaos herrschen und da selbst in King's Landing nun der Winter ausgerufen wurde, dürften die White Walkers nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. In Braavos trainiert Arya. Und im Osten haben wir Dany, Tyrion und Victarion, die erst mal noch unterschiedliche Wege gehen, auch wenn diese letztlich zusammenführen werden.

Naja, wir werden es ja sehen. Lasst uns alle nur beten, dass nicht wieder 5 Jahre bis zum nächsten Buch vergehen.

Bewertung: 5/5

Goodreads: 4.10
Amazon: 2.9
justamyth: (Default)


Paperback, 608 Seiten
2005, Tor Books
Gelesen: 25.06. - 12.07.2011

Deadhouse Gates ist (mehr oder weniger) die Fortsetzung von Gardens of the Moon. In vielen Reviews lässt sich lesen, dass der zweite Band wesentlich besser sei, und worauf auch immer wieder hingewiesen wird, wann immer ein Kritiker meint, er fände GotM nicht gut.

Müsste ich mich entscheiden, würde ich durchaus zustimmen, dass DG besser ist, allerdings hat es den Vorteil, dass der Leser inzwischen wesentlich mehr über die Welt der Malazanen weiß, als dies noch zu Beginn von GotM der Fall war. Hinzu kommt, dass in DG weniger Charaktere als Erzähler fungieren, was, wie ich glaube, es einfacher macht der Geschichte zu folgen.

DG ist keine direkte Fortsetzung, da die Ereignisse zwar chronologisch nach GotM spielen, aber eben auf einem anderen Kontinent und mit zahlreichen neuen Charakteren (außer den vier, die am Ende von GotM davon gesegelt sind).

Was bzw. wer mir in DG gar nicht gefiel, war Felisin. Ich fand ihren Wandel von Felisin zu Sha'ik völlig unglaubwürdig. Dies war gerade auffällig, da sie eine von den erzählenden Charakteren ist. Ich hatte das Gefühl, auf der einen Seite war sie noch die bittere, bösartige Felisin und auf der nächsten... plötzlich eine völlig andere Person.

Am meisten berührt hat mich Coltaines Ende oder eigentlich überhaupt die ganzen Ereignisse um die "Chain of Dogs". Das war mit Abstand der beste Teil des Buches und auch der Grund, warum ich DG für etwas besser halte als GotM. Die anderen Teile dagegen hatten sowohl ihre Höhen als auch einige Tiefen.

Bewertung: 4.5/5

Goodreads: 4.26
Amazon: 4.2
justamyth: (Calm the fuck down)


Paperback, 666 pages
2005, Tor Fantasy
Gelesen: 12.05.-24.06.2011

Ich bin froh, dass ich erst jetzt auf diese Serie gestoßen bin, da der letzte Band letztes Jahr erschienen ist. Wenn ich daran denke, dass meine Lieblingsfantasyreihe (A Song of Ice and Fire) immer noch nicht beendet ist und eventuell niemals ein Ende finden könnte (der gute Herr Martin ist nämlich schon 62 und wenn er in dem Tempo so weiter macht wie bisher, sehe ich schwarz).... Herr Martin könnte sich definitiv mal ein Beispiel an Herrn Erikson nehmen. Dieser begann 1999 mit seinem Epos, welches er 2010 mit Band 10 abschloss. Das ist richtig, zehn Bände in 11 Jahren! Herr Martin schafft ja dagegen gerade mal die Hälfte in 15 Jahren.... Aber genug zu Herrn Martin.

Ich glaube, Gardens of the Moon (GotM) ist ein Buch, das man entweder liebt oder fluchend in die Ecke wirft. Hier wird nämlich fast gänzlich auf Exposition verzichtet und stattdessen wird man in die Welt von Malazan hineingeworfen und dann kann man sehen wie man kommt. Nagut, vielleicht nicht ganz so dramatisch, aber man muss sehr viel Geduld mitbringen und es bleibt einem nichts anderes übrig, als weiter zu lesen um mehr über diese Welt zu erfahren, nur um dann allerdings festzustellen, man hat noch lange nicht alles kennengelernt (aber dafür sind ja die anderen neun Bücher da).

Aber um was geht es eigentlich? Nun, es scheint darum zu gehen, dass das Malazan Reich den Kontinent Genabackis erobern möchte und das mehr oder weniger erfolgreich. Zu Beginn des Buches gelingt es den Truppen von Malazan (unter extremen Verlusten) die Stadt Pale einzunehmen. Das nächste Ziel heißt dann: Darujhistan. Zur Vorbereitung auf eine Invasion werden die sog. Bridgeburner dorthin geschickt. Und mehr will ich auch nicht verraten, (denn vieles ist nicht so wie es scheint) außer vielleicht noch, dass in Darujhistan sich die zentrale Handlung des Buches abspielt.

Der vielleicht etwas schwache Punkt des Buches waren mitunter die Charaktere. Während ich die Welt an sich extrem interessant und die Handlung spannend fand, waren die Charaktere längst nicht so faszinierend.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der nicht so auf klassische Fantasy steht und es lieber etwas pessimistischer mag, wie etwa in George R. R. Martin's A Song of Ice and Fire. Denjenigen erwartet dann auch eine komplexe Welt, in der es viel zu entdecken gibt.

Bewertung: 4/5

Goodreads: 3.86
Amazon: 3.7

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