justamyth: (books2)


Ebook, 432 Seiten
2011, Little, Brown Books
Gelesen: 15.11. - 25.11.2011

Dieses Buch ist der perfekte Beweis dafür, dass man Reviews einfach nicht trauen kann. Das Buch hat auf Goodreads eine Bewertung von ca. 4.3 (von 5) und selbst andere Bücherblogs geben es hauptsächlich 4/5 oder sogar 5/5. Mehrmals habe ich gelesen, dass es eins der besten Young Adult Bücher sei, die es überhaupt gäbe, weswegen ich es ja überhaupt erst gelesen habe, obwohl ich eigentlich nicht viel für YA übrig habe. Und nun frage ich mich: Was zur Hölle lesen die alle für Bücher? Denn wenn DAS das Beste ist, was YA zu bieten hat, na dann gute Nacht.

Der Anfang war ja noch ganz viel versprechend. Karou, unsere natürlich bildhübsche und begabte Protagonistin, hat erst vor Kurzem mit ihrem bildhübschen, aber total narzisstischen und arroganten Freund Schluss gemacht, weil sie gemerkt hat, was für ein Arschloch er ist. Wir haben mal hier keine jungfräuliche Heldin, die noch nie einen Freund hatte, obwohl sie so toll aussieht. Dann erfahren wir auch noch, dass sie ein Geheimnis hat: Sie wurde von Chimären großgezogen. Ihr Adoptivvater ist Brimstone, für den sie nebenbei arbeitet, indem sie Tier- und Menschenzähne aus aller Welt für ihn besorgt. Denn verkauft man an Brimstone Zähne, erhält man als Gegenleistung Wünsche. Eins muss man dem Buch lassen, das Magiesystem ist originell und interessant. Und während man hier noch denkt, dass die Geschichte potential hat, ändert sich das spätestens als Akiva auftaucht. Akiva ist auf die Erde gekommen um Brimstones Portale zu zerstören (Den Grund dafür erfährt man allerdings erst gegen Ende) und er hat Karou dabei beobachtet, wie sie in Marokko aus einem dieser Portale kommt. Erst mal ist er irrtiert, weil sie ja ein Mensch ist. Neugierig verfolgt er sie, bis es dann letztlich doch zum Kampf kommt, den Karou geradeso noch überlebt. Ohne groß in Details zu gehen: Sie macht etwas Verbotenes und Brimstone schmeißt sie daraufhin aus seinem Geschäft, so dass sie nicht wieder zurückkehren kann. Kurz darauf werden auch noch alle Portale zerstört.
Und dann beginnt die supertolle Liebesgeschichte zwischen Karou und Akiva nach altbekannter Masche: Man sieht sich, fühlt sich zueinander hingezogen und einige Tage später gesteht man sich die Liebe.
Die Autorin versucht da noch eine unerwartete Wendung einzubauen, indem dann rauskommt, dass Karou in gewisser Weise die Wiedergeburt von Madrigal ist, der großen Liebe von Akiva, und dass sie sich deswegen sofort zueinander hingezogen fühlen. Nur leider verlieben sich Madrigal und Akiva genauso urplötzlich, so dass es eh keinen Unterschied macht. Am Ende kommt dann noch raus, dass Akiva anscheinend für den Tod der Chimären verantwortlich ist, und Karou begibt sich ohne ihn in deren Welt. So endet das erste Buch. Allerdings muss ich kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die beiden am Ende dann eh wieder zusammenkommen.

Müsste ich das Buch in einem Satz beschreiben, dann würde ich es als eine Liebesgeschichte á la Romeo und Julia beschreiben. Nur ist Romeo hier eben ein Engel und Julia eine Chimäre. Wobei Engel stimmt nicht so ganz. Akiva ist genauso wenig ein Engel, wie Edward Cullen ein Vampir ist. Akiva hat halt Flügel und seine Rasse bezeichnet sich als Seraphim. Da hören dann die Gemeinsamkeiten mit Engeln aber auch schon auf.

Wenn ich mir so ein paar Reviews ansehe, dann werden vorallem zwei Dinge gelobt: Der Schreibstil der Autorin und die Welt, die sie kreiert hat.

Nun, Laini Taylor mag es schwulstig. Andere finden das toll und loben es entsprechend. Ich denke in Maßen würde es mir sicher auch mehr gefallen, aber nicht wenn eh schon kaum etwas passiert und das Ganze damit nur noch mehr in die Länge gezogen wird mit langen Passagen voller Metaphern, Vergleiche und ähnlichem. Und dass nach gut einem 3/4 der Geschichte plötzlich eine Rückblende beginnt, in der die Geschichte von Madrigal erzählt wird, fand ich auch etwas ungeschickt.
Naja, und die Welt, die sie kreiert hat, ist auf den zweiten Blick auch nicht wirklich originell, und auch gar nicht so stark präsent wie man es von den Reviews meinen könnte.
Neben unserer Welt gibt es eben hier noch eine andere Welt mit zwei Monden, wo Chimären und Seraphim leben. Diese bekriegen sich seit mind. 1000 Jahren. Der offizielle Grund dafür ist, dass die Seraphim die Chimären versklavt hatten bis diese sich in Rebellion erhoben. An einer Stelle wird allerdings angedeutet, dass da mehr dahinter stecken könnte. Jedenfalls hassen sich dementsprechend beide Seiten, und obwohl keiner am gewinnen ist, scheint niemand hier auch nur an Diplomatie zu denken. Aber dann hätte ja unsere Heldin in den folgenden Bänden auch nichts zu tun, nicht wahr?
Das diese Welt nicht besonders durchdacht worden ist, zeigt sich eben auch daran, dass man nicht wirklich soviel darüber erfährt: Es gibt eine große schöne Stadt, die von den Seraphim erbaut worden ist. Die Seraphim werden von einem Kaiser beherrscht, der nur Kaiser zu sein scheint, weil er sich mal vor einiger Zeit militärisch hervor getan hat. Die Soldaten der Seraphim werden alle von diesem Kaiser in seinem Harem gezeugt. Und es wird vage eine Gruppe Seraphim erwähnt, die nicht unter der Herrschaft des Kaisers stehen und Magie praktizieren können. Das war's zu den Seraphim.
Die Chimären leben in einer riesigen Burg und bestehen aus mehreren Stämmen. Sie werden von einem Kriegsherr regiert, von dem man so gut wie gar nichts erfährt. Außer dass er mehrere Frauen hat. Für die Geschichte ist dessen Erstgeborener natürlich wichtiger, da er sich Madrigal als nächste Ehefrau ausgesucht hatte. Aber auch über ihn erfährt man nicht wirklich viel, außer dass er Madrigal unbehagen bereitet und dass er ein genialer General sein soll.
Und das war es mehr oder weniger zu den Chimären.
Man sieht, es ist doch alles recht oberflächlich. Allein beim Magiesystem geht die Autorin wirklich ins Detail. Gut, es gibt sowieso eine Fortsetzung, so dass da vielleicht die Welt weiter ausgebaut ist. Aber das, was hier dargestellt ist, finde ich eben nicht gerade beeindruckend. Die Idee, dass Sklaven sich gegen ihre Herren auflehnen ist nicht neu. Und von der Kultur der beiden Völker erfährt man ja fast nichts.

Was mich eben an dem Buch am meisten störte, ist die Liebesgeschichte, die dann doch leider 3/4 des Buches in Beschlag nimmt. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Romanzen, außer sie werden eben wie diese hier geschrieben. Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick. Jeder Mensch hat seine Macken und um diese kennen und lieben zu lernen braucht es mehr als ein paar lächerliche Tage. Außerdem ensteht die "Liebe" zwischen Madrigal/Karou und Akiva aus Äußerlichkeiten. Die Autorin beschreibt deren Aussehen mit einer geradezu übertriebenen Ausführlichkeit. Dementsprechend war die Beziehung zwischen den beiden nicht nur unglaubwürdig, sondern hat mich auch herzlich wenig interessiert. Ich verspüre auch gar nicht die Lust noch mehr über die Beiden lesen zu wollen.

Bewertung: 2/5

Goodreads: 4.29
Amazon: 4.6

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