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Paperback, 583 Seiten
2010, Orbit
Gelesen: 06.-17.10.2011


Feed: Vielmehr ein Buch mit Zombies statt einem Buch über Zombies, das von vielen gelobt wurde und von dem ich hohe Erwartungen hatte.

Nachdem ich es nun selbst gelesen habe, kann ich behaupten es ist kein schlechtes Buch, doch wundert mich die große Menge an positiven Bewertungen dann doch etwas. Die Handlung lässt sich schnell zusammenfassen: Im Jahr 2040 begleiten ein paar Blogger einen amerikanischen Senator auf seiner politischen Kampagne und stoßen dabei auf eine Verschwörung, die fatale Folgen hat. Nein, komplexer ist die Handlung wirklich nicht und ohne groß zu übertreiben umfasst sie vermutlich nicht mehr als 100-150 Seiten. Dazu sollte ich vielleicht anmerken, dass bei meiner Ausgabe die Geschichte auf Seite 571 aufhört. Was passiert also auf den anderen 400 Seiten? Hauptsächlich Weltenbau. Was nicht so schlimm wäre, wenn die Autorin nicht ständig ihre eigene Erzählung unterbrechen würde, um dann mitunter eine ausführliche (sprich: Seitenlange) Erklärung zu liefern.

Abgesehen vom Erzählstil, ist die Welt, die Mira Grant geschaffen hat durchaus interessant und mal was anderes. Gut ich muss zugeben, World War Z und The Walking Dead ausgenommen, habe ich keine große Ahnung von Zombieliteratur, aber was zumindest viele Zombiefilme angeht, so dreht sich deren Handlung meist darum, wie es zum Ausbruch kommt, der dann den Großteil der Menschheit dahin rafft, und weniger darum wie die Menschheit überlebt und vorallem in welchem Zustand sie 20 Jahre später weiterlebt. In dieser Hinsicht ist Feed auch empfehlenswert. Aber auch nur in dieser. Denn mal ehrlich, weder Handlung noch Charaktere sind besonders komplex. Okay, vielleicht wird die Handlung noch komplexer, da Feed der erste Teil einer Trilogie ist, aber für die Charaktere habe ich wenig Hoffnung.

Wir hätten da Georgia Mason, die Erzählerin der ersten 500 Seiten von Feed, die ihren Bruder abgöttig liebt und für die Wahrheit alles tun würde. Dann wäre da ihr Bruder Shaun Mason, der seine Schwester ebenfalls abgöttig liebt und ein Adrenalin-Junkie ist. Als nächstes Buffy Meissonier, ein Technik-Genie sowie Poetin. Senator Ryman, der perfekte und völlig unrealistische Politiker. Gouvereur Tate, dem man auf dem ersten Blick anmerkt, dass er der Bösewicht ist. Und schließlich Rick Cousins, dessen Funktion in der Geschichte mir immer noch nicht ganz klar ist und der auf einmal am Ende des Buches ohne Erklärung plötzlich als Vize-Präsident kandidiert. Das wären in etwa die wichtigsten Personen und sie lassen sich tatsächlich so einfach kategorisieren.

Damit mir ein Buch wirklich gefällt, müssen zumindest entweder die Handlung oder die Charaktere stimmen. Wie gesagt, ersteres ist etwas zu kurz geraten. (Wobei ich auch sagen muss, wenn denn endlich mal etwas geschah, ich die Seiten geradezu verschlungen habe.) Dementsprechend hätten mich die Charaktere fesseln müssen, und das tun sie einfach nicht. Das Buch wird in der Ich-Person erzählt, hauptsächlich aus der Sicht von Georgia Mason, und man könnte meinen, als Leser würde man automatisch eine Beziehung zu Georgia aufbauen können. Von wegen. Vielleicht geht es nur mir so, aber das ganze Buch wurde mit einer derartigen Distanz erzählt, dass ich automatisch ebenso von dem Geschehen distanziert war. Weder Buffys noch Georgias Tod hat mich berührt. Was mich berührte, war interessanterweise der Tod von Rebecca, der gerade mal in wenigen Sätzen abgehandelt wurde und bei dem wir noch nicht einmal dabei waren.

Aber vielleicht ist genau das das Problem. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Autorin die Fantasie des Lesers anregen wollte. Sich ständig wiederholende Beschreibungen zeugen davon. Ständig wird wiederholt (und oft immer wieder ausführlich beschrieben), dass man sich immer wieder Bluttests unterziehen muss. Ständig wird wiederholt, dass Georgia eine Augenkrankheit hat. Ständig wird wiederholt, was für ein Technik-Genie Buffy ist. Ständig wird wiederholt, dass die Masons nichts für Georgina und Shaun empfinden. Das heißt, wenn mich eins an dem Buch genervt hat, dann eben diese Wiederholungen. Ich weiß nicht warum die Autorin das gemacht hat. Vielleicht sollte es eine Eigenart Georgias sein. Vielleicht dachte sie auch, ihre Leser sich nicht besonders intelligent. Keine Ahnung, aber es war jedefalls nervig.

Zum Abschluss noch kurz ein Wort zum Ende. Ich fand es geradezu lächerlich. Da steht Shaun mit einer Waffe in der Hand, die auf Tate gerichtet ist. Dieser meint noch so ganz theatralisch, dass man sich an Märtyrer erinnert und rammt sich die Spritze mit dem Virus ins Bein. Alle drum herum reagieren panisch, weil sie denken, jetzt wird er gleich zum Zombie. Ich musste in dem Moment aufhören zu lesen und habe mich ernsthaft gefragt, was zur Hölle ich hier gerade lese. Natürlich wird Tate nicht zum Zombie! Shaun steht da schließlich immer noch mit der Waffe in der Hand, die er auf ihn gerichtet hält. Also ehrlich, die ganze Szene las sich wie ein schlechter Film und ich frage mich echt was sich die Autorin dabei dachte. Und warum sie Emily verschont hat. DAS wäre doch mal ein Ende gewesen!

Fazit: Komplexe Handlung und Charaktere sollte man hier nicht erwarten, aber die Welt, die Grant geschaffen hat, ist durchaus interessant. Ich habe meine Ausgabe bei Amazon für gerade mal 2,27€ (Gebraucht, aber in sehr gutem Zustand und ich brauchte keine Versandkosten bezahlen, also ja, das ist der tatsächliche Preis) gekauft und bin im nachhinein froh nicht mehr ausgegeben zu haben.

Bewertung: 3/5

Goodreads: 4.02
Amazon: 4.3

(no subject)

Sat, Oct. 15th, 2011 22:24
justamyth: (Default)
Ich habe inzwischen knapp 350 Seiten von Feed gelesen und wenn ich noch einmal lesen muss, wie Licht Georgia Kopfschmerzen bereitet wegen ihrer Augenkrankheit, oder wie ein Tier unter 40 Pfund nicht zum Zombie mutieren kann, oder wie sich die Leute ständig einem Bluttest unterziehen müssen, fang ich an zu schreien.

Das Buch besteht schon zu gut 70% aus Exposition und die Autorin hält es dennoch für nötig gewisse Dinge 10mal zu erwähnen! Es gibt nichts schlimmeres als ein Autor, der meint, seine Leser seien dumm oder könnten sich nichts merken. Argh!

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